Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.03.2017


Gesellschaft

Bischöfe gegen Burka-Verbot

Die Kirchenführer plädieren für einen „ungezwungenen Umgang“ mit religiösen Symbolen.

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© APA



Bregenz – Österreichs katholische Bischöfe bewerten das Tragen von Burkas im öffentlichen Raum als gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten. „Aber wir sind gegen ein übertriebenes gesetzliches Verbot“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, zum Abschluss der Frühjahrstagung der Kirchenführer. Die Bischöfe schlagen statt eines Verbots eine klare Definition vor, in welchen Fällen das Gesicht offen gezeigt werden muss, etwa vor Gericht oder an Schulen. Für Frauen dürfe es vor allem keinen Zwang zur Verschleierung geben, erklärte Schönborn. Insgesamt empfiehlt der Kardinal einen „ungezwungenen Umgang“ mit religiösen Symbolen.

„Es gehört zum Reiz einer pluralen Gesellschaft, dass Menschen ihre religiöse Zugehörigkeit auch ausdrücken. Der französische Laizismus ist, glaube ich, nicht unser österreichisches Modell.“ Die Debatte um religiöse Symbole nannte Schönborn „Engführungen“, die nur dazu führten, dass die wahren Herausforderungen der Integration in den Hintergrund treten würden.

Thema der Bischofskonferenz in St. Gerold in Vorarlberg war auch die von Papst Franziskus angestoßene Frage, ob in Regionen mit Priestermangel nicht so genannte „Viri probati“ – das sind „bewährte Männer“, die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können – die Aufgaben von Priestern übernehmen sollten. „Es ist nicht verboten, darüber nachzudenken. Der Papst hat keine konkreten Schritte genannt, Papst Franziskus hat einen Anstoß gegeben. Ob er Österreich gemeint hat, weiß ich nicht. Ich glaube eher nicht.“ Die Diskussion habe aber den Vorteil, dass man nun offener über Pro und Kontra in diesem Bereich sprechen kann. „Vielleicht bekommen dadurch auch die positiven Argumente für den Zölibat und für die traditionelle lateinische Praxis mehr Glaubwürdigkeit.“ Der Innsbrucker Theologieprofessor Józef Niewiadomski hat in der TT die von Papst Franziskus angestoßene Diskussion unterstützt. Fälschlicherweise wurde dabei von einer Weihe zu Diakonen geschrieben, gemeint ist natürlich jene zu Priestern.

Fragen zu den noch immer nicht erfolgten Bischofsernennungen in Österreich entlockten Schönborn ein seufzendes „Ach ja“. Der Vatikan lässt die Diözesen in Innsbruck und St. Pölten inzwischen seit Monaten auf neue Bischöfe warten, die Erzdiözese Salzburg soll zudem einen neuen Weihbischof erhalten. Die lange Sedisvakanz in Innsbruck bedauert Schönborn, aber er verspricht: „Es wird eine Bischofsernennung geben.“

Und anlässlich des Down-Syndrom-Tages am kommenden Dienstag warnten die Bischöfe darüber hinaus vor einer „latent vorhandenen eugenischen Grundhaltung in der Gesellschaft“. Mittels Schwangerschaftsuntersuchung und pränataler Diagnose werde heute geradezu nach Kindern mit Trisomie 21 gefahndet, kritisierte Schönborn. (APA, TT)