Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.03.2017


Bezirk Kufstein

Massiver Widerstand gegen Lehrlingshaus für Asylwerber

Bis zu 20 Flüchtlinge sollen auf eine Lehre in einem Mangelberuf vorbereitet werden. Anrainer protestieren gegen den Standort.

© Michael Mader



Von Michael Mader

Ebbs – Tiroler Integrationshostel lautet der Name für ein Lehrlingshaus für Asylwerber, das die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) am Freitagvormittag in Ebbs vorgestellt haben. Dabei sollen 15 bis 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und junge Erwachsene auf eine Lehre in den Mangelberufen Maurer, Metalltechniker und Elektrotechniker vorbereitet werden und hier auch wohnen.

Den jungen Asylwerbern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich so viele Kompetenzen wie möglich anzueignen, damit sie heuer im Herbst eine Lehre anfangen können. Unterstützt wird das Projekt auch von der Wirtschaftskammer, wie Peter Wachter bestätigt: „Wir haben großes Interesse, Fachkräfte zu bekommen“, findet er es sinnvoll, Asylwerber so schnell wie möglich zu beschäftigen.

„Glücklich ist die Gemeinde darüber nicht“, bringt es Vizebürgermeister Hubert Leitner auf den Punkt, auch wenn er das Projekt gut findet. In unmittelbarer Nähe zum geplanten Lehrlingshaus sind bereits 14 Asylwerber untergebracht. Leitner: „In der Siedlung wohnen nur 70 Personen. Sie ist durch den Wald, die Autobahn und den Bach ziemlich abgeschlossen. Aber da müssen wir durch.“ Auch der zweite Vizebürgermeister Sebastian Kolland bezeichnet den Standort als schwierig, auch wenn die Grundidee gut sei. „Wir haben schon elf Flüchtlinge, die im Ort untergebracht sind, und das läuft gut“, sagt Kolland, der betont, die Gemeinde habe keinerlei Handhabe. Der mehrjährige Mietvertrag wurde vom Liegenschaftsbesitzer mit den TSD abgeschlossen. Ihm gehört auch das Gebäude, in dem die 14 Asylwerber untergebracht sind.

Florian Stolz von den TSD verspricht, dass rund um die Uhr Betreuungspersonal vor Ort sein werde: „Wir haben ein straffes, klar strukturiertes Tagesprogramm, vergleichbar mit einem Internatsbetrieb.“ Rund 350 Asylwerber gebe es in Tirol, die den Anforderungen für das Integrationshostel entsprechen würden. Die besten würden für Ebbs ausgewählt.

Am Nachmittag wurden die Anrainer von den TSD über das Lehrlingshaus informiert. Der Ebbser Gemeindevorstand Sebastian Greiderer sprach danach von einer massiven Grundstücksentwertung und brachte die Angst der Anrainer auf den Punkt: „Wir können die Kinder ja nicht mehr alleine ins Freie lassen.“

Negative Berichte vom Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kufsteiner Kaiserbergstraße haben die Bewohner in Wald­eck noch in Erinnerung. „Da ist ja fünfmal in der Woche die Polizei da“, sagt eine Anrainerin. Man denke bereits über Alarmanlagen und Kameras nach. Bemängelt wurde auch die unzureichende Beleuchtung in der Siedlung.

Warum man das Ganze nicht in den eigens teuer angekauften und nun leerstehenden Holzhäusern in Kufstein mache, wollten die Waldecker wissen. „Die gehören dem Bund und stehen immer noch als Auffanglager zur Verfügung“, antwortete Stolz.

Anrainer Kurt Mayer jedenfalls machte klar, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen sei: „Für uns ist noch gar nichts beschlossen. Die Leute hier haben Angst und wissen sich nicht zu helfen. Was hier passiert, ist eine Sauerei“, kündigt er massiven Widerstand an. „Das nächste Mal sind hier 300 Leute oder auch 500, die dagegen protestieren, das verspreche ich euch.“