Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.03.2017


Osttirol

Lavant: Frühchristliche Bischofskirche wird generalsaniert

Noch heuer geht die Projektentwicklung mit Proberestaurierung über die Bühne. Die Realisierung des Vorhabens startet 2018 und soll drei bis vier Jahre dauern.

© BDA/Gemeinde LavantZwei Kilometer östlich der Römerstadt Aguntum erhebt sich der Lavanter Kirchbichl. Hier befinden sich Reste der einstigen Bischofskirche.



Von Claudia Funder

Lavant – Sie zählt zu den bedeutendsten frühchristlichen Kirchenruinen Österreichs, die so genannte Bischofskirche am Lavanter Kirchbichl. Landeskonservator Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt bezeichnet diesen Platz gar als „einen der lyrischsten Orte Tirols“ und ein „Arkadien des Nordens“.

Eine Ausgrabung in den 1950er-Jahren durch Franz Miltner hatte einen mehrperiodigen Baukomplex ans Tageslicht gebracht. Bis dato ist nicht restlos geklärt, ob zwei oder gar drei Kirchenbauphasen vorliegen. Die älteste reicht laut Hauser in das 5. Jahrhundert zurück.

Nach der Grabung vor 60 Jahren erfolgte die Konservierung des Bestandes mit weitgehenden Rekonstruktionen. Zu der bemerkenswerten Gesamtanlage zählen teils offen liegende Räume südlich des Sakralbaus, deren Funktion umstritten ist, während die nördlich liegenden Räume samt Sakristei wieder eingeschüttet wurden. Sichtbar gehalten wurde die Außenerscheinung des jüngsten Bauzustandes mit Presbyterien und einer hervorgehobenen Grabstelle sowie die Apsis und Reste der Priesterbank einer Vorgängerphase. Der Taufraum und der Raum für Ungetaufte im Westen sowie das Taufbecken sind erhalten. Je zwei Marmorsäulen wurden im Taufraum und am Übergang von Kirche zu jüngerem Sakralraum wieder errichtet.

Seit der Restaurierung der Ruine sind sechs Jahrzehnte verstrichen. Handeln ist höchst an der Zeit. Das bauliche Relikt bedarf dringend einer umfassenden Nachsorge, in puncto Rekonstruktion und Originalbestand. „Die Konservierung ist eine große Herausforderung“, betont Hauser, der von einer enormen Wirkmächtigkeit des Ortes schwärmt. „Es ist mehr als ein Denkmal. Der Wert per se ist zu erhalten.“ Die Kosten wird das Land als Eigentümer der Grundparzelle stemmen. Die Höhe steht noch nicht fest, denn erst im Herbst werden das Projekt entwickelt und eine Proberestaurierung durchgeführt sein. Ab 2018 startet dann die Realisierung, die laut Hauser drei bis vier Jahre dauern wird.

Bei den Entscheidungen sei feinsinnig vorzugehen, stellt Hauser klar. Deshalb lud das Land 15 Experten aus Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege aus der Schweiz, Italien und Österreich zu einem Workshop. Dieser fand im Grabungshaus von Aguntum statt und wurde vom Leiter der österreichischen Bodendenkmalpflege, Bernhard Hebert, moderiert. Nach Fachvorträgen begaben sich die Teilnehmer ins Gelände, um das Objekt genau ins Visier zu nehmen.

„Die Restaurierung wird auch Eingriffe in den Boden erforderlich machen“, betont Hauser und sieht darin auch eine Chance, an definierten Punkten gezielt bauhistorischen Detailfragen nachzugehen. Im besten Fall können letzte Rätsel rund um die Kirchenruine gelöst werden.

Auf Grundlage der Original-Grabungsunterlagen ist es geglückt, die Anforderungen zur wissenschaftlichen Untersuchung und Restaurierung feiner herauszuarbeiten und zu definieren. Nun wird ein möglichst konkretes und optimiertes Durchführungskonzept erarbeitet, das Forschungsinteressen ebenso berücksichtigt wie denkmalfachliche Gesichtspunkte.

Experten aus drei Staaten diskutierten an zwei Halbtagen über das Vorhaben und nahmen das Objekt vor Ort genau unter die Lupe.
- BDA/Gemeinde Lavant