Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.04.2017


Exklusiv

Wenn die Patienten in Kufstein nur noch eine Wahl haben

Es gibt immer mehr Wahlärzte in Tirol. Auch in Kufstein verlief die Suche nach Vertragsärzten für Allgemeinmedizin neuerlich im Sand.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein, Wörgl – Zwei Allgemeinmediziner und ein Facharzt in Kufstein, zwei Fachärzte in Wörgl – das Angebot wäre da. Nur es fehlen die Bewerber. Alle fünf vorgenannten Vertragsarztstellen sind wieder einmal zur Vergabe ausgeschrieben, aber Günter Atzl, Direktor der Ärztekammer Tirol, berichtet von null Interesse daran. „Und es schaut auch weiterhin nicht gut aus“, macht Kammerdirektor Atzl einen besorgten Blick in die Zukunft.

Seitens der Ärztekammer bemühe man sich, Mediziner zu finden und auch die Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Genauso seitens der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), wie deren Obmann Werner Salzburger betont. Die Krankenkasse nehme dazu heuer wieder viel Geld in die Hand, betont Salzburger.

Droht jetzt das Zeitalter der Nur-noch-Wahlärzte? Ja, sagte die klare Mehrheit bei einer (nicht repräsentativen) Umfrage der Tiroler Tageszeitung im Vorjahr im Bezirk Kufstein. Die TT hatte im Eindruck des Ärztemangels in der Wildschönau und der dortigen vorübergehenden Wahlarzt-Lösung gefragt, ob man glaube, dass so ein Modell eines Tages auch in anderen Gemeinden angewendet werden muss (mittlerweile wurden die Vertragsstellen im Hochtal besetzt). 81 Prozent der Antworten lauteten damals Ja, nur 19 Prozent Nein (Siehe Grafik).

Den Pessimisten gibt die Statistik Recht. Laut einer Erhebung der Ärztekammer (Stand 30. Dezember 2016) sind bereits 46 Prozent der Allgemeinmediziner Wahlärzte. Also Ärzte, wo der Patient einen Selbstbehalt bezahlen muss. Bei den Fachärzten überwiegt ganz klar die Zahl der Wahlärzte.

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man das Verhältnis der TGKK-Vertragsärzte und der Wahlärzte in einem längeren Zeitabschnitt betrachtet. 1990 gab es 481 Vertragsärzte und 300 Wahlärzte, 2005 schlug erstmals das Pendel in eine andere Richtung aus: Den 545 vertraglich gebundenen Ärzten standen 632 Wahlärzte gegenüber, 2016 klafft das Verhältnis noch weiter auseinander: 561 Vertragsärzten stehen 825 Wahlärzte gegenüber.

Eine Entwicklung, die bei TGKK-Obmann Werner Salzburger wenig Freude hervorruft. „Unser Bemühen geht natürlich dahin, alle Vertragsstellen zu besetzen. Wahlärzte sind eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Salzburger. Es gebe nämlich viele Menschen, „die sich den Selbstbehalt gar nicht leisten können“, wie Salzburger anmerkt. Er glaubt auch, zumindest bezüglich der Allgemeinmediziner, dass es sich nur um ein vorübergehendes Problem handle. Also dass die „Durststrecke in drei Jahren beendet ist“, wie er auch als Einschätzung aus der Ärzteschaft gehört habe. Was aber alle überrascht: dass nun im Inntal ein Mangel an Allgemeinmedizinern herrscht.

In den Städten beobachtet man die Entwicklung mit Argusaugen, wie auch BM Hedi Wechner in Wörgl bestätigt. Hier ist das Problem noch nicht so gravierend. „Eventuell brächte eine Bezirkslösung etwas“, sieht Wechner einen möglichen Ansatz. In Kufstein lädt Bürgermeister Martin Krumschnabel angesichts der fehlenden Allgemeinmediziner zu einem Ärztegipfel. „Es soll ein positiver, gemeinsamer Ansatz gefunden werden.“ Ziel sollte es sein, dass „jeder Kufsteiner weiterhin einen Hausarzt hat“.

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