Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.04.2017


Schwaz

Angst vor unsichtbarer Gefahr durch Strahlen

Ein Schwazer macht gegen den Handymast auf einem Schuldach wegen der Strahlung mobil. Die Stadt gab jetzt Gutachten in Auftrag.

Der Mobilfunkmast auf dem Schuldach wurde von dem Schwazer Unternehmer mit einem Messgerät unter die Lupe genommen.

© DählingDer Mobilfunkmast auf dem Schuldach wurde von dem Schwazer Unternehmer mit einem Messgerät unter die Lupe genommen.



Von Angela Dähling

Schwaz – Mit einem merkwürdigen Kribbeln in den Händen und schlechtem Schlaf fing alles vor etwa drei Jahren an. „Ich recherchierte, was die Gründe dafür sein könnten“, erzählt ein bekannter pensionierter Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden will und dessen Haus sich neben der Neuen Mittelschule „Hubert Danzl“ und der Polytechnischen Schule befindet.

Auf dem Schuldach prangt gut sichtbar ein Handymast. Und in ihm fand der Schwazer die Ursache für seine Beschwerden, wie er sagt. „Ich habe mich in das Thema eingelesen und wollte dann wissen, wie hoch die Strahlung von diesem Mast ist“, sagt er. Von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen habe er ein entsprechendes Messgerät gekauft und sich damit in die Schule begeben. „Ab 1000 Mikrowat­t/m² gelten die Strahlen medizinisch gesehen als gesundheitsbedenklich. In den Schulräumen herrschten teilweise über 2000 Mikrowatt“, behauptet er und liefert zum Beweis ein Video, das zeigt, wie die Werte auf dem Messgerät in der Schule so weit in die Höhe schnellen, bis sie nicht mehr messbar sind und nur ein schriller Piepton zu hören ist – es ist auf tt.com abrufbar.

Messgerät für elektromagnetische Strahlen in Mikrowatt.
Messgerät für elektromagnetische Strahlen in Mikrowatt.
- Dähling

„Das ist ein Wahnsinn, die Kinder dem auszusetzen“, ist der Schwazer empört. Dass es ohne Handymasten nicht geht, sei ihm klar. „Aber warum stellt man sie nicht auf den Eiblschrofen oder wie anderswo in siedlungsarmen Gegenden wie neben der Autobahn auf, um Dauerbestrahlung zu vermeiden?“, fragt er sich. Er habe bereits Volksanwälte von Wien und Tirol kontaktiert – ohne Erfolg. „Es traut sich keiner, gegen die mächtige Mobilfunk­industrie anzutreten. Zumal hier bei uns technische Richtwerte und nicht medizinische gelten“, sagt er.

Die Stadtgemeinde habe für den gegenständlichen Handymast einen Vertrag mit T-Mobile/Telering abgeschlossen, informiert Thomas Hatzl, Leiter der Abteilung Bildung. Andere Anbieter seien vermutlich mit Subverträgen angeschlossen. Wegen der Sorge des Schwazer Unternehmers habe man nun Gutachten in Auftrag gegeben. Eine durch den Mobilfunkanbieter „Drei“, die das Forum Mobilkommunikation kommentiert. Das ist die Interessenvertretung von Netzbetreibern und der Mobilfunkindustrie in Österreich. Erwartungsgemäß kommt sie zum Schluss, die Werte seien unbedenklich: Die Messwerte lägen zwischen 570 und 27.000 Mikrowatt und damit um viele Größenordnungen unter den Personenschutzgesetzen. Die Grenzwerte würden auf dem anerkannten wissenschaftlichen Kenntnisstand basieren, der regelmäßig von nationalen und internationalen Gremien überprüft werde. Das Ergebnis eines Gutachtens durch die AUVA sei noch ausständig, informiert BM Hans Lintner. Bei einer Gefährdung würde der Mast entfernt werden.

Gerd Oberfeld, Umweltmediziner beim Land Salzburg, versteht die Sorgen von Handymast-Kritikern. Er hatte einst den Salzburger Vorsorgewert von 1000 Mikrowatt/m² für 13 Handymasten in Salzburg eingeführt – mangels rechtlicher Grundlagen fehlte aber die Rechtsverbindlichkeit für weitere Maßnahmen dieser Art. Oberfeld verweist auf kürzlich veröffentlichte Vorabergebnisse einer groß angelegten Studie des National Toxocology Program (US-Gesundheitsministerium) zum Thema Handystrahlen: Bei männlichen Ratten wurden aufgrund der Strahlen Hirntumore festgestellt. „Seit 2016 gibt es auch eine Leitlinie für Ärzte von der Europäischen Akademie für Umweltmedizin zum Thema Diagnose, Prävention und Therapie im Umgang mit elektromagnetischen Feldern“, erklärt er, dass das Thema zunehmend medizinische Relevanz habe.




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