Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.04.2017


Bezirk Reutte

Wo sich König Ludwig gerne bettete

In Lermoos gibt Brigitte Künstner im privaten Drei-Mohren-Museum Einblicke in die Geschichte ihres Gasthauses – und des ganzen Ortes. Prominente Gäste wie Kostbarkeiten lassen die Besucher staunen.

Wiederauferstehung des Speisesaals von 1904. Kratzende Schallplatten samt Grammophon lassen die Stimmung erahnen, als es sich Gäste im Lermooser Gasthof Drei Mohren um die vorvorgehende Jahrhundertwende gutgehen ließen.

© Mittermayr HelmutWiederauferstehung des Speisesaals von 1904. Kratzende Schallplatten samt Grammophon lassen die Stimmung erahnen, als es sich Gäste im Lermooser Gasthof Drei Mohren um die vorvorgehende Jahrhundertwende gutgehen ließen.



Von Helmut Mittermayr

Lermoos – „Grüß Gott, Herr König, sind wir immer noch ledig?“ Mit dem immer gleichen Satz empfing der Hausdiener den besonderen Gast im Drei Mohren. Das Zimmer Nr. 106 wurde in den 1870er- und 1880er-Jahren für Ludwig II. freigehalten. Wenn der bayerische König auf dem Weg zu seinem Schlösschen am Fernsteinsee war, machte er gerne in Lermoos Halt. Eine Flasche des immer gleichen Südtiroler Rötels war bereitgestellt, bevor sich der Wittelsbacher zum nahen Weißensee bringen ließ, um sich der Kontemplation hinzugeben. Die Einrichtung des Zimmers war speziell auf Ihre Majestät abgestimmt – und ist noch heute zu sehen. Sie hat nur die Straßenseite gewechselt, ins ehemalige Gutsverwalterhaus, das Museum.

Brigitte Künstner zeigt historische Glasfotoplatten – ein probates Mittel für Rekonstruktionen.
Brigitte Künstner zeigt historische Glasfotoplatten – ein probates Mittel für Rekonstruktionen.
- Mittermayr Helmut

Das 1806 eröffnete Gasthaus Drei Mohren hat längst eine Metamorphose durchlaufen, kommt heute als 4-Sterne-Designhotel Mohr Life Resort daher. Alt und Neu wurde symbiotisch verschränkt. Nichts Wertvolles wurde weggeworfen, höchstens von Gästen, die nicht widerstehen konnten, nächtens davongetragen. Dass so viele Kostbarkeiten aus Jahrhunderten erhalten geblieben sind, dafür hat Brigitte Künstner gesorgt. Längst führen Tochter und Schwiegersohn das Hotel und sie widmet sich der historischen Dimension des Hauses, zu dem im Fernpassgebiet gleich mehrere Seen und Fischwässer gehören. Vor zehn Jahren eröffnete sie unter wissenschaftlicher Begleitung das Drei-Mohren-Museum.

Das Museum verfügt über Berge von Urkunden.
Das Museum verfügt über Berge von Urkunden.
- Mittermayr Helmut

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten drei Schwestern der Jäger-Dynastie das Gasthaus gemeinsam. „Eine davon, die Mida, soll noch im Hotel spuken, hieß es lange.“ Brigitte Künstner verweist bei Museumsführungen augenzwinkernd auf Nachwirkungen des strengen Regiments, das die Weiberwirtschaft eingeführt hatte. Überhaupt nimmt die gewiefte Erzählerin die Besucher neben all den Pretiosen, Bildern, Gobelins, Katasterbüchern oder Fotoalben auf eine kurzweilige Zeitreise mit – von römischen Prügelwegen bis hin zum Festsaal des Hauses, in dem um die vorletzte Jahrhundertwende begüterte Gäste zu Musik von Caruso der Sommerfrische frönten. Wenn Künstner schildert, wie sie alte Bilder in Zwischenwänden fand oder über heutige Seekauf-Äquivalente von 165 Gulden sinniert, hat sie die Besucher endgültig gefangen. Führungen auf Anfrage – kostenlos.

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Nur die Tapete ist historischen Vorlagen nachempfunden. Die Einrichtung in Zimmer 106 ist noch exakt dieselbe, wie sie König Ludwig II. nutzte.
Nur die Tapete ist historischen Vorlagen nachempfunden. Die Einrichtung in Zimmer 106 ist noch exakt dieselbe, wie sie König Ludwig II. nutzte.
- Mittermayr Helmut