Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.06.2017


Bezirk Landeck

Bergwerk-Retter krempeln im Platzertal die Ärmel hoch

Auf Europas höchstgelegener Kulturbaustelle – im Platzertal bei Pfunds – werden ab 19. Juni die Berghäuser saniert.

Die denkmalgeschützten Berghäuser (2510 m) im Platzertal bei Pfunds werden ab 19. Juni saniert.

© WenzelDie denkmalgeschützten Berghäuser (2510 m) im Platzertal bei Pfunds werden ab 19. Juni saniert.



Pfunds, Tösens – Noch liege­n Schneefelder auf dem schmale­n Karrenweg zu den vier teils verfallenen Berghäusern im Platzertal. Ab 19. Juni sollte der Weg frei und mit Einachsern wieder befahrbar sein. Dann rücken Bruno Schuchter, Spezialist für Trockensteinmauern, und sein Team von der Naturwerkstatt Tirol wieder zu Europas höchstgelegener Kulturbaustelle (2510 m) ein. Der Auftrag des Teams: Die Sanierung der stillgelegten Bergwerksanlagen soll fortgesetzt werden. Teile des aus öffentlichen Geldern (Leader-Programm der EU, Land, Bundesdenkmalamt, Gemeinden und TVB) geförderten Projekts konnten in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt werden, etwa die Restaurierung der Materialseilbahn-Bergstation.

Schwerpunkt sind diesmal die hängenden und teils umgestürzten Trockensteinmauern in den vier Berghäusern. Dazu kommt die Sanierung der desolaten Böden der einstigen Knappen-Quartiere. Auch Zimmerleute setzen ihre Muskelkraft ein, um den schadhaften Dachstuhl mit Lärchenholzbalken zu erneuern. „Feuchtigkeit hat den Häusern stark zugesetzt. Daher werden wir eine Drainage zur Umleitung des Hangwassers bauen“, erläuterte Baumeister Christoph Gigele, Koordinator vom Bergwerksverein Platzertal. Baumaterial werde man keinesfalls zur entlegenen Baustelle hinaufkarren. Gigele schildert: „Wir verwenden die Steine aus der Umgebung, wie es früher die Knappen gemacht haben. Das Material aus den Böden wird trockengelegt und gesiebt. Der gefilterte Kies mit acht bis 30 Millimeter großen Kieselsteinen wird dann in den Häusern neu aufgetragen.“ Zudem müsse einiges an Müll entsorgt werden. Die Arbeiten der ersten von drei Sanierungsetappen (bis 2019) dauern laut Gigele „voraussichtlich bis zum Almabtrieb im September“.

Projektträger und treibende Kraft zum Erhalt der Anlagen ist der 2007 gegründete Bergwerksverein Platzertal.

Damit die nötigen Fördergelder für das mit 273.000 Euro budgetierte Vorhaben fließen, strengt sich einmal mehr das Landecker Regionalmanagement (regioL) an. 50 Prozent der Mittel kommen aus dem Leader-Topf der EU, wie regioL-Koordinatorin Simone Reimair bestätigte und hervorhob: „Dieses einzigartige kulturelle Erbe soll der Nachwelt erhalten bleiben und auch touristisch genutzt werden.“ (hwe)