Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.06.2017


Osttirol

Bischöfliche Weihe für ein Kunstwerk

Am Pfingstsonntag hat der ehemalige Bischof zu Innsbruck, Manfred Scheuer, in der Pfarrkirche Debant ein Altarbildnis von Lois Fasching gesegnet. Das Kunstwerk ist ein Geschenk von Scheuer an die Pfarre.

Bischof Manfred Scheuer segnet das neue Altarbildnis. Es kommt in der modernen Architektur der Pfarrkirche Debant besonders gut zur Geltung.

© BlassnigBischof Manfred Scheuer segnet das neue Altarbildnis. Es kommt in der modernen Architektur der Pfarrkirche Debant besonders gut zur Geltung.



Von Christoph Blassnig

Nußdorf-Debant – Im Herbst 1967 wurde Debant zum Pfarrvikariat, drei Jahre später war der moderne und in Beton gehaltene Sakralbau nach den Plänen des Innsbrucker Architekten Ulrich Feßler fertig gestellt. Am 25. Oktober 1970 wurde erstmals Gottesdienst gefeiert. Gerade ist eine gründliche Renovierung abgeschlossen worden.

Schon im Jahr 2000 hat der Dölsacher Bildhauer Lois Fasching den Kreuzweg im Kirchenraum geschaffen. Pfarrer Bruno Decristoforo bat den Künstler aus aktuellem Anlass um eine neuerliche Arbeit: Zum Dank für das Wirken von Manfred Scheuer als Bischof der Diözese Innsbruck wollte ihm diese gemeinsam mit dem Land Tirol ein persönliches Abschiedsgeschenk machen. „Bischof Scheuer lehnte das in seiner ihm eigenen Bescheidenheit ab“, ließ Landtags-Präsident Herwig van Staa wissen. „Stattdessen sollte ein Sakralbau in einer Landgemeinde in Tirol ein Geschenk erhalten.“ Die glückliche Wahl dafür fiel auf die Heilig-Geist-Kirche in Debant. Zum Patrozinium am Pfingstsonntag war der ehemalige Innsbrucker Bischof aus Linz angereist, um das neue und monumentale Altarbildnis Lois Faschings feierlich zu segnen. Auch van Staa war anwesend.

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„Empfanget den Heiligen Geist“: Im Johannes-Evangelium erscheint Christus seinen Jüngern, haucht sie an und spricht diese Worte. „Pfarrer Decristoforo hat mir dieses Thema für das neue Altarmotiv mitgeteilt und seine Hände dabei wie ein Sprachrohr vor seinem Mund geformt“, erzählt Künstler Lois Fasching. Das sei für ihn bereits die mögliche Haltung der Christusfigur gewesen.

Entstanden ist das Werk aus Lindenholz, mit 5,30 Metern genauso breit wie der Kirchenraum hoch und von 210 Zentimetern vertikalen Ausmaßes. Lois Fasching hat die sechs einzelnen Reliefs wie alle seine Arbeiten ausschließlich mit dem Schwert einer großen Kettensäge geschnitten. Zentral und hell erstrahlt Christus, mit deutlich sichtbaren Wundmalen. Um ihn herum nur zehn Jünger, in deren Gesichtern Angst und Verzweiflung stehen. „Judas ist da bereits tot, und der ungläubige Thomas fehlt auch“, erläutert Fasching.

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Zu den Seiten hin wird die Farbgebung dunkler. Der Betrachter sieht die Darstellungen an der Wand naturgemäß leicht von unten, doch die Köpfe wirken unnatürlich aufgesetzt. „Dadurch entsteht eine künstliche Welt, die das Geheimnisvolle der Situation noch verstärkt“, so der Bildhauer. „Ich mag keine Symboliken oder Abstraktes, das man erst erklären müsste. Ein Kind in der ersten Bankreihe muss es verstehen, und der Akademiker soll sich auch noch seine Gedanken machen.“ Auch ein im Zuge der Renovierung umgesetztes Lichtkonzept komme der besonderen Wirkung zugute, freut sich der Künstler. „Damit schließt sich der Kreis zum Kreuzweg in der Kirche.“