Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Bezirk Schwaz

Tür an Tür mit einem Theatersaal

Barbara Abendstein und Gerhard Kainzner wohnen mit ihrer Familie im „Steudler“-Bauernhof in Uderns, dessen älteste Bauelemente rund 700 Jahre alt sind. Der Hof ist Heimstatt des „Steudltenn“-Festivals.

Der „Steudler“-Bauernhof in Uderns, dessen Tennen seit sieben Jahren Heimat des „Steudltenn“-Theaterfestivals ist.

© HörhagerDer „Steudler“-Bauernhof in Uderns, dessen Tennen seit sieben Jahren Heimat des „Steudltenn“-Theaterfestivals ist.



Von Peter Hörhager

Uderns – Wo sich noch vor Jahren Heuberge auftürmten (die als Futter die Kühe im darunterliegenden Stall über den Winter brachten), drängen sich seit sieben Jahren begeisterte Fans des „Steudltenn“-Theaterfestivals. Der Tennen des alten „Steudler-Hofs“ birgt nämlich Bühne und Zuschauerraum. Neues Theater in altem Gemäuer – in Uderns gibt es diese Symbiose. Das Festival, das seine siebte Auflage erlebt, umfasst heuer nicht weniger als 92 Veranstaltungen.

Köche des vielfältigen Kultur-Menüs sind die Mitglieder der „Steudltenn“-Großfamilie Abendstein/Hirzenberger/Kainzner. Für die Gesamtorganisation zeichnet Bernadette Abendstein verantwortlich, die an der Schauspielschule des Tiroler Landestheaters und bei Elfriede Ott in Wien ihr Theatertalent von Profis formen ließ, von 2001 bis 2006 Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt war und seither als freie Schauspielerin auf verschiedensten Bühnen in Deutschland und Österreich stand bzw. steht.

Der Künstler und der „Geheimgang“! Vom Balkon des Bauernhofs führt ein direkter Weg zum „Steudltenn“-Theatersaal.
Der Künstler und der „Geheimgang“! Vom Balkon des Bauernhofs führt ein direkter Weg zum „Steudltenn“-Theatersaal.
- Hörhager

Verheiratet ist sie mit dem Regisseur, Schauspieler, Musiker und Autor Hakon Hirzenberger, der künstlerischer Leiter des „Steudltenn“-Festivals ist. Er stand bisher in mehr als 80 Produktionen auf Bühnen im In- und Ausland und ist Stammgast in diversen TV-Projekten. Mit Gerhard Kainzner, einem geborenen Finkenberger, gehört ein Künstler dem Team an, der auch handwerklich anpacken kann. Er besuchte die Schnitzschule Elbigenalp und studierte bei der Art Didacta in Innsbruck. Diverse Bühnen- und Filmausstattungen (unter anderem in „Freiheit des Adlers“) tragen seine Handschrift.

Verheiratet ist er mit Barbara Abendstein, die beim „Steudltenn“ für die Kinder- und Jugendprojekte (etwa für die neue Theatergruppe U21) verantwortlich ist. Unverzichtbar, weil mit Herz und Hand im „Steudltenn“-Einsatz: Hans und Loisi Abendstein, die Eltern von Bernadette und Barbara. Sie haben den „Steudler“-Hof, der 1850 von Felix Abendstein erworben wurde, bis 1971 als Nebenerwerbslandwirtschaft mit integrierter Greißlerei geführt. Dann bauten sie vis-a-vis ein neues Haus, das im Erdgeschoß ein Geschäft barg, dessen Räume inzwischen als „Steudltenn“-Schaltzentrale dienen.

„Griaß di!“ – Barbara Abendstein öffnete selbst die alte Haustüre. „Ich wohne gerne im alten Bauernhaus“, betonte sie beim Rundgang.
„Griaß di!“ – Barbara Abendstein öffnete selbst die alte Haustüre. „Ich wohne gerne im alten Bauernhaus“, betonte sie beim Rundgang.
- Hörhager

Zurück zum alten Hof. Dieser wird inzwischen von Barbara Abendstein, Gerhard Kainzner und ihren Kindern bewohnt. Quasi Tür an Tür mit dem „Steudler“-Tennen, vom Balkon des alten Bauernhofs führt sogar eine direkte Verbindung zum Bühneneingang. Mondän – nein, das ist er nicht, der Wohnraum der Familie Abendstein-Kainzner. Aber urgemütlich und geprägt von der Atmosphäre eines Hofes, der Geschichte atmet und vielen Generationen Heimstatt war. „Ich genieße es, in einem alten Bauernhaus zu wohnen. Wir haben fast alles ursprünglich belassen. Die alten Mauern geben mir Kraft und ich finde den Gedanken schön, dass Generationen vor mir den gleichen Hausgang entlanggegangen sind. Auch die gewachsene Einfachheit der Räume, ohne viel Schnörkel, gibt mir Ruhe und die Möglichkeit, mich zurückzuziehen“, umreißt Barbara Kainzner-Abendstein den Zauber des „Steudler“.

„Das Bauernhaus ist in seinen Grundmauern rund 700 Jahre alt“, erzählt Hans Abendstein vulgo „Steudl-Hansl“. Der Bauernhof, so wie er jetzt dasteht, wurde in der Zwischenkriegszeit gebaut. Das Haus endete vorher gleich hinter der Tennenbrücke, die jetzt als Aufgang für das Theater dient. Die tragenden Wände stammen großteils aus dem 13. Jahrhundert. Und sind, wie die hölzerne Stirnwand der Küche, in ihrem Urzustand belassen. Relikte der Neuzeit – Familienfotos, Zeichnungen der Kinder – finden in den knorrigen Balken einen stimmigen Hintergrund. Ein ähnlicher Kontrast findet sich im Hausgang, dessen kalkverputzte Wände als Galerie für die Bilder von Gerhard Kainzner dienen. Übrigens: Barbara und Gerhard wohnen nicht nur im „Steudler“, sie führen ihn auch weiter. Als Bio-Bauernhof, auf dessen Feldern sie biologischen Anbau von Mais, Kartoffeln und Dinkel betreiben. „Ich möchte meinen Kindern mitgeben, wie wertvoll Nahrungsmittel aus der Region sind und dass eine Wiese vor der Haustüre ein Kulturgut ist, das erhalten werden soll“, erklärt Barbara Kainzner-Abendstein ihr diesbezügliches Engagement.

Derzeit ist aber die gesamte Großfamilie für das Theaterfestival eingespannt. Am 14. Juni steht nämlich – als Koproduktion „Steudltenn“/ Wald4tler Hoftheater – die Uraufführung des Stückes „Die Auserwählten“ auf dem Programm. Autor ist Hakon Hirzenberger, er führt auch Regie. Die Kulissen schuf Gerhard Kainzner.

Gerhard und Hakon initiierten heuer erstmals ein Künstler-Symposium.
Gerhard und Hakon initiierten heuer erstmals ein Künstler-Symposium.
- Hörhager