Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.06.2017


Bezirk Reutte

Soziale Komponente hält an Schulen verstärkt Einzug

„Zeit schenken“ nahmen neun Jugendliche wörtlich und beteiligten sich an einem Schulprojekt von Gymnasium, HAK und HLW Reutte.

Christiane Racz-Mair (Organisatorin), Werner Hohenrainer, Direktor HAK/HLW, BRG-Direktorin Brigitte Jaindl, Michaela Perktold (Freiwilligenzentrum) und Regina Kerle von der Caritas (vorne, v. l.) zollten den Jugendlichen großen Respekt für ihr Engagement.

© NikolussiChristiane Racz-Mair (Organisatorin), Werner Hohenrainer, Direktor HAK/HLW, BRG-Direktorin Brigitte Jaindl, Michaela Perktold (Freiwilligenzentrum) und Regina Kerle von der Caritas (vorne, v. l.) zollten den Jugendlichen großen Respekt für ihr Engagement.



Von Hans Nikolussi

Reutte – Nicht nur Lehrbücher, Stundenplan, Computer und Smartphone dominierten im laufenden Schuljahr den Tagesablauf der jungen Menschen. Neun von ihnen hatten sich entschlossen, bei einem nicht alltäglichen Schulprojekt mitzumachen. Es hieß, Zeit zu verschenken.

Organisiert von den Schulen, der Caritas und dem lokalen Freiwilligenzentrum sammelten sie Erfahrungen im Josefsheim, im Seniorenzentrum, in der Bücherei, im Eltern-Kind-Zentrum und in der Kinderkrippe Mühlmäuse. Über einen Zeitraum von sechs Monaten neben einem vollen Stundenplan wöchentlich noch zwei Stunden freiwillig in soziales Engagement zu investieren, verdient mehr als Anerkennung. Aus den Händen der Schulleiter konnten die acht Schülerinnen und ein Schüler deshalb auch Zertifikate für die geleistete Arbeit entgegennehmen. Dabei zollten Caritas-Verantwortliche Regina Kerle, Michaela Perktold (Freiwilligenzentrum), die Direktoren Brigitte Jaindl (Gym) und Werner Hohenrainer (HLW) größten Respekt.

Dass Schulen heute keine verstaubten Lehreinrichtungen mehr sein müssen und die soziale Komponente durchaus Eingang findet, wurde bei der kleinen Feierstunde mit Nachdruck festgestellt. Von Basteln, Singen, Spazierengehen, Kochen mit älteren Semestern bis hin zur Betreuung von Kleinkindern reichte der vielseitige Bogen des sozialen Engagements. „Zeit ist das schönste Geschenk, das man einem Menschen machen kann“ war die Devise.

Die Jugendlichen, die sich mit aller Kraft eingebracht haben, konnten dabei wichtige Erfahrungen sammeln. Linda Preindl (16), HLW, im Seniorenzentrum eingesetzt: „Aus der Arbeit mit betagten Menschen konnte ich einiges Wichtiges auch für mich mitnehmen. Es war eine tolle Erfahrung.“ Ines Fiegenschuh (16), HAK, Seniorenzentrum, sah das ganz ähnlich: „Wir konnten Erfahrungen machen, die sonst so ganz einfach nicht möglich sind. Es entwickelte sich schon bald ein Naheverhältnis zum alten Menschen, das ich nicht missen möchte.“ Mit den ganz Jungen durfte sich Sandrina Tautermann (16), HAK, Mühlmäuse, beschäftigen: „Mit den Kleinen in der Spielgruppe zu arbeiten und mit ihnen lachen zu können, war eine ganz besondere Abwechslung vom doch stressigen Schulalltag.“

Ihre erste Begegnung mit dem Ehrenamt im sozialen Dienst bewerteten alle positiv und sahen ihr Engagement auch als persönliche Bereicherung. Für manche könnte es auch zu Überlegungen geführt haben, vielleicht die Ausbildung in eine solche Richtung zu lenken.

„In unserer modernen Welt ist die Zeit ein wahres Luxusgut. Wir sollten uns Zeit für uns selbst nehmen, aber auch unsere Zeit anderen schenken Das ausgewogene Verhältnis zwischen beidem ist der Schlüssel zu einem glücklichen und erfüllten Leben, das wir uns alle wünschen“, meinte Freiwilligenkoordinatorin Michaela Perktold.