Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.06.2017


Bezirk Imst

Kleinstschule schließt: Letzte Schultage in Gries bei Längenfeld

Im Herbst wird die Volksschule Gries bei Längenfeld stillgelegt. Auch die Gemeinde St. Leonhard schließt die Volksschulen Plangeross und Zaunhof.

Derzeit drücken in Gries noch sechs Volksschüler die Schulbank. Ab Herbst schließt die Kleinstschule ihre Türen.

© ReichleDerzeit drücken in Gries noch sechs Volksschüler die Schulbank. Ab Herbst schließt die Kleinstschule ihre Türen.



Von Matthias Reichle

Längenfeld, St. Leonhard – Das Schuljahr 2016/17 geht ins Finale. In vier Wochen läuten die Schulglocken das letzte Mal vor den großen Ferien – für drei Volksschulen im Bezirk Imst wird es ein Abschied, der länger dauert. Sie schließen.

Betroffen ist unter anderem Gries bei Längenfeld. Der abgelegene Weiler auf 1569 Metern Seehöhe ist knapp sechs Kilometer vom Dorf entfernt – eine kurvenreiche Bergstraße führt hinunter ins Tal. Im Herbst würden dort nur noch drei Kinder die Schulbank drücken, berichtet Bürgermeister Richard Grüner. Das ändert sich voraussichtlich auch in den kommenden drei Jahren nicht. „Das Land gehe rigoros vor“, berichtet der Dorfchef – die Schulabteilung des Landes sei an ihn herangetreten, die Schule zu schließen. Kompromiss war es, eine Stilllegung zu erwirken. „Es geht ein Stück Dorfleben verloren“, betont Grüner.

Für den Bürgermeister hat die Stilllegung auch noch eine andere Seite. Die Grieser Kinder gehen nämlich bereits herunten in den Kindergarten. Auch da gehen Freundschaften verloren, wenn das Schulalter erreicht ist. Gleichzeitig sinken auch im Tal die Schülerzahlen.

Der Längenfelder Weiler Gries liegt auf 1569 Metern Seehöhe.
Der Längenfelder Weiler Gries liegt auf 1569 Metern Seehöhe.
- Reichle

Schulen unter sechs Kindern werden „kritisch gesehen“ und seien grundsätzlich zu schließen oder stillzulegen, heißt es aus der Schulabteilung des Landes auf Anfrage der TT. Man habe sich deshalb an die Gemeinde Längenfeld gewandt, bestätigt man Grüners Geschichte. Es benötige gute Gründe, den Schulbetrieb trotzdem aufrechtzuerhalten. In diesem Fall sprechen mehrere Argumente für Stilllegung.

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Ob die Türen der Volksschule Gries jedoch jemals wieder aufgehen, steht auf einem anderen Blatt. Dafür seien mehr als nur ein paar Schüler mehr nötig.

Für den Imster Pflichtschul­inspektor Thomas Eiterer ist die Kehrseite der Schließung einer Kleinschule immer, dass es dort eine tolle Betreuung gab und wie im Fall von Gries super gearbeitet wurde, betont er. Natürlich können die Kinder nicht Völkerball spielen, dafür sind es zu wenige.

Gries ist heuer übrigens nicht die einzige Volksschule im Bezirk, die schließt. In der Gemeinde St. Leonhard schließt mit Plangeross die entlegenste Volksschule des Pitztales ihre Türen. Dort drücken die Schüler auf 1617 Metern Seehöhe die Schulbank. Sie teilen das Schicksal mit der Volksschule Zaunhof (1291 m).

Ab Herbst werden sie im neuen Schulzentrum zusammengelegt, das die Gemeinde derzeit errichtet. 7,5 Mio. Euro teuer wird das Projekt. „Wir haben derzeit drei Volksschulen und drei Kindergärten in fünf Gebäuden“, betont Bürgermeister Elmar Haid. Die alten Gebäude würden aus den 60er- und 70er-Jahren stammen und entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen.