Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Bezirk Landeck

Dreijährige „Lebensschule“ feiert erste Absolventen

Dieser Tage machen 18 Schülerinnen in Landeck-Perjen die „Mini-Matura“. Die Schwerpunkte Ernährung und Regionalität haben sich bewährt.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck-Perjen – „Wir sind eine Lebensschule.“ So bringt Direktor Heinz Kofler die Merkmale der Bildungseinrichtung mit dem Kürzel FSBHM auf den Punkt. Es ist die Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement“ im Landecker Stadtteil Perjen.

Viele Jahre war es ein ambitionierter, wenn auch nur einjähriger „Crashkurs“ zur Erfüllung der Schulpflicht, konzipiert speziell für Schülerinnen aus dem ländlichen Raum. 2014 kam mit Unterstützung des Landes der Umstieg auf den dreijährigen Lehrplan. Kofler und Bezirksbäuerin Gertrud Denoth haben die inhaltlichen Schwerpunkte Ernährung und Regionalität entwickelt.

Fazit: Heuer gibt es erstmals eine dritte Klasse, 18 Mädchen treten dieser Tage zur „Mini-Matura“ an, wie der Schulleiter die Abschlussprüfung bezeichnet.

Am Donnerstagabend durften Eltern, Kammerfunktionäre und BM Wolfgang Jörg der Prüfung im Fach „Service und Gastronomie“ beiwohnen. „Wir sind unserem Schwerpunkt Regionalität verpflichtet. Dass in den Prüfungsmenüs viele regionale Lebensmittel stecken, versteht sich“, erläuterte Fachlehrerin Heidi Holzknecht.

Die Schülerin Katharina Lentsch ist Jungbäuerin aus dem Kaunertal, wo ihre Eltern einen bio-zertifizierten Betrieb führen. „Ich habe einiges gelernt, was ich auf unserem Hof umsetzen kann“, bemerkte sie. Obwohl sie mit Abschluss der Schule gleich den Beruf Ernährungscoach ausüben könnte, lässt sie sich mit der Berufsentscheidung noch Zeit. Vorerst will sie eine weiterführende Schule in Kematen besuchen. Generell sind die beruflichen Pläne der Mädchen sehr unterschiedlich. „Prinzipiell stehen alle Bildungs- und Berufswege offen“, stellt Kofler fest. Von den beiden Schwerpunkten abgesehen sei der Lehrplan sehr breit. „Einige möchten zum Beispiel in den Pflegeberuf einsteigen“, weiß der Schulleiter.

Kofler und sein Lehrerinnen-Team möchten den Schülerinnen eine „Lebensschule“ bieten. Vor allem Jugendliche aus nichtbäuerlichen Familien hätten mitunter „erschreckend wenig Ahnung“, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. „Regionalität ist bei uns nicht nur ein Unterrichtsprinzip. Wir möchten damit eine Denkweise fördern“, hob der Schulleiter hervor und stieß bei Bezirksbäuerin Denoth sowie Bauernkammer-Bezirksstellenleiter Peter Frank auf volle Zustimmung.




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