Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.06.2017


Exklusiv

Aus für Kleinstschulen in Tirol

Die Schülerzahlen sinken, das Modell der Zweiklassigkeit wird forciert. Wenn eine Volksschule schließt, sorgt das für Emotionen.

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© Reichle



Innsbruck – Kurzfristig gibt es bei den Schülerzahlen in Tirol einen Aufschwung: Im Herbst werden wohl um 230 Schüler mehr die Volksschulen besuchen. Insgesamt absolvieren 28.770 Schüler die ersten Schuljahre. Die längerfristige Tendenz ist aber rückläufig.

LR Beate Palfrader setzt auf den Erhalt von Kleinschulen, auch wenn das mitunter auf Kosten der Kleinstschulen geht. Im Herbst wird die Volksschule Gries bei Längenfeld stillgelegt. In St. Leonhard schließt mit Plangeross die entlegenste Volksschule des Pitztales. Dort drücken die Schüler auf 1617 Metern Seehöhe die Schulbank. Sie teilen das Schicksal mit der Volksschule Zaunhof (1291 m). Ab Herbst werden sie im neuen Schulzentrum zusammengelegt, das derzeit um 7,5 Mio. Euro gebaut wird. „Schulen mit weniger als sechs Kindern sehen wir kritisch. Früher war das wichtig, weil entlegene Weiler im Winter tagelang abgeschnitten waren, jetzt ist das nicht mehr der Fall“, so Palfrader zum Ablaufdatum der Kleinstschulen. Es gäbe auch Kurioses: Orte, in denen die Kindergartler in den Hauptort geführt werden und nur Volksschüler vor Ort bleiben.

Sie setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Kleinschulen erhalten bleiben, dazu brauche es auch die Schüler von den Kleinstschulen. „Manche Schulen werden aufgrund der fehlenden Schüler ab Herbst zweiklassig geführt, es hat sich gezeigt, dass die Kinder eigentlich davon profitieren.“ Wenn alle Kinder vom Schuleintritt bis zur vierten Klasse gemeinsam unterrichtet werden, spricht man von Einklassigkeit: „Das ist schon sehr herausfordernd für die Lehrer“, so die Landesrätin. Von den 360 Tiroler Volksschulen sind 169 niederorganisiert (sie haben unter 4 Klassen), davon sind 69 einklassig mit 3 bis 21 Schülern. Auch beim Zusammenlegen von Klassen würde jeder Fall einzeln betrachtet. „Es ist nicht so, dass ein Schüler zu wenig ist und dann wird zusammengelegt, es kommt auf den Trend an“, resümiert Palfrader. (pla)