Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Tirol

Impfpflicht in Italien: “Den Eltern ist es ernst“

Südtiroler Impfgegner wollen nach Nordtirol auswandern. Mediziner gegen Impfdebatte.

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© APA/dpa(Symbolfoto)



Bozen — Irgendwo zwischen „Werbegag" gegen die Impfpflicht und ernsten Überlegungen: Geht es nach einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, wollen 137 Familien aus Südtirol notfalls in Österreich um „Asyl" ansuchen, wenn die seit Donnerstag in Kraft gesetzte Impfpflicht von der Regierung in Rom umgesetzt wird. Mit dieser Pflicht einher gehen für Impfverweigerer drakonische Strafen. Reinhold Holzer, Aktivist der Eltern-Initiative Ökokinderrechte Südtirol, erklärt aber: „Den Eltern ist das sehr ernst." Teilweise hätten sich die Impfgegner schon in Nordtirol umgesehen. Seitens der Landessanitätsdirektion für Tirol heißt es, dass Impfungen die höchste Errungenschaft in der Medizin sind, was vorbeugende Maßnahmen gegen schwere Erkrankungen angeht. Wer sich impfe, schütze nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die nicht geimpft werden können.

Die Meldung der Nachrichtenagentur ANSA zog gestern zumindest medial weite Kreise. Ein plakativer Titel, ein „Werbegag", um auf die Thematik aufmerksam zu machen, wie Aktivist Reinhold Holzer zugibt. Doch er sagt auch: „Den Eltern ist es sehr ernst damit." Die Impfgegner hätten sich in Steinach und Innsbruck bereits umgesehen, sagt Holzer. Zuvor hatte man sich an die Staatsoberhäupter in Rom und Wien sowie an die Vereinten Nationen gewandt. Man wolle verhindern, dass die Kinder geimpft werden müssen. Die Impfpflicht wird ab dem kommenden Schuljahr ausgeweitet. Die Immunisierungen sollen für insgesamt zwölf Krankheiten vorgenommen werden, darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, etc. Nicht geimpfte Kinder werden künftig nicht in Krippen, Kindergärten oder Vorschulklassen aufgenommen. Eltern schulpflichtiger Kinder (ab 6 Jahren), die nicht geimpft sind, müssen Strafen von bis zu 7500 Euro zahlen. Ihnen droht der Verlust des Fürsorgerechts.

Gegen diese strengen Strafen richtet sich der Protest der Südtiroler. Das Wort „Asyl" sei auch deshalb verwendet worden, weil Holzer, 1998 wegen einer ähnlichen Problematik kurzfristig nach Vorarlberg ausgewandert, eine „Menschenrechtsverletzung" in dem Gesetz sieht. Der Sprecher des Innenministeriums in Wien, Karlheinz Grundböck, erklärt, dass ein formaler Asylantrag in diesem Fall wohl relativ wenig Chancen hätte. Aber: „Natürlich würde jeder Antrag von uns wie jeder andere geprüft." Debatten über Impfungen kann Anita Hornischer-Luckner von der Landessanitätsdirektion für Tirol nichts abgewinnen: „Impfungen sind die höchste Errungenschaft in der Medizin, was die Vorbeugung von Krankheiten betrifft." Das Impfen sei nicht nur zum eigenen Schutz wichtig, sondern müsse auch als soziale Angelegenheit gesehen werden. Wer geimpft ist, schütze nämlich gleichzeitig jene mit, die nicht geimpft werden können — wie Säuglinge, Alte oder Schwangere. (mw, np)

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