Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.06.2017


Exklusiv

Andreas Hofer siegte erneut

Die 2. Bergisel-Schlacht fand am Wochenende in Südtirol statt: 300 Teilnehmer stellten erstmals in Tirol die Ereignisse von 1809 nach – unter Federführung eines Innsbruckers.

Die 2. Bergisel-Schlacht wurde am Wochenende erneut geschlagen – diesmal in Südtirol. Etwa 300 Reenactment-Kämpfer zogen sich detailgetreue Uniformen an.

© RappDie 2. Bergisel-Schlacht wurde am Wochenende erneut geschlagen – diesmal in Südtirol. Etwa 300 Reenactment-Kämpfer zogen sich detailgetreue Uniformen an.



Von Irene Rapp

Schabs – Marcus Autherith hat zwei Berufe: Einmal ist er Jurist in Innsbruck, einmal Grenadier beim Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4.

Für Zweiteres taucht der 49-Jährige in seiner Freizeit in die Zeit vor über 200 Jahren ein, als Europa von den napoleonischen Kriegen erschüttert wurde. Eine Zeit, die viele fasziniert: 2017 gibt es in ganz Europa unzählige Vereine und Interessengemeinschaften, die sich dieser Geschichte widmen. Allerdings nicht in Büchern lesend, sondern indem sie das Leben von damals leben – oder anders ausgedrückt: Die Männer schlüpfen in die Uniformen der einstigen Regimenter, die Frauen sind als Marketenderinnen, Schreiberinnen u.a.m. mit dabei.

Mit dabei auch Andreas Hofer.
Mit dabei auch Andreas Hofer.
- Rapp

„Das Ganze nennt sich Reenactment und bedeutet, dass geschichtliche Ereignisse möglichst authentisch nachgestellt werden“, erklärt Autherith, der sich mit diesem Thema seit zehn Jahren beschäftigt. Bei der Veranstaltung „Erlebniswelt Tirol 1809“, die am vergangenen Wochenende im Südtiroler Schabs am Eingang des Pustertales stattfand, war der Innsbrucker daher für das Reenactment zuständig. Rund 300 Teilnehmer stellten die Ereignisse vom 25. und 29. Mai 1809 rund um den Bergisel nach: „Die einzige Schlacht am Bergisel, in der sich sowohl Schützen als auch österreichische Truppen den feindlichen Franzosen, Bayern und Sachsen entgegenstellten“, weiß Autherith.

Das Lagerleben war von Frauen geprägt .
Das Lagerleben war von Frauen geprägt .
- Rapp

Dass diese kriegerische Auseinandersetzung nicht am Originalschauplatz, sondern in Schabs stattfand, hat einen historischen Hintergrund, der aber nicht ganz so weit zurückliegt. „2013 haben wir einem bayerischen Regiment eine Fahne zurückgegeben, die wir 1809 bei den Kämpfen an der Ladritscher Brücke bei Aicha erbeutet haben. Sozusagen als Aussöhnung. Damals gab es einen kleinen historischen Teil und da haben wir gedacht, das einmal größer anzugehen“, erzählt Roland Seppi von den Schabser Schützen. Mit „wir“ ist die historische Schabser Schützenkompanie unter Peter Kemenater gemeint, die sich vor 200 Jahren den Bayern heldenhaft in den Weg stellte.

Es gab auch eine Schreiberei, wo sich der Kufsteiner Dietmar Wieser in der Kurrentschrift unterrichten ließ.
Es gab auch eine Schreiberei, wo sich der Kufsteiner Dietmar Wieser in der Kurrentschrift unterrichten ließ.
- Wieser

Schützen, Musikkapelle und Feuerwehr von ­Schabs stampften in der Folge die Veranstaltung „Erlebniswelt Tirol 1809“ aus dem Boden, die „es so in Tirol und in Österreich noch nie gegeben hat“, sagt Autherith.

Bei der Organisation galt es auch bürokratische Hürden zu überwinden: Die „Soldaten“ verwendeten für das Gefecht etwa Schwarzpulver, dafür musste eine Genehmigung eingeholt werden. Auch Stroh wurde besorgt: nicht nur für die Pferde, sondern auch die Teilnehmer. „Denn viele schlafen – originalgetreu – auf Stroh“, weiß Autherith.

So originalgetreu wie möglich lautet überhaupt die Devise der geschichtlich Interessierten: Die „Sächsische Artillerie Alter Stolberg“ aus dem Südharz etwa hatte eine 1,8-Tonnen-Kanone mit dabei - originalgetreu nachgebaut. Der reine Materialpreis liegt bei 15.000 Euro. Natürlich wurde damit auch geschossen – mit Schwarzpulver und Mehl. Um reines Kriegspielen geht es den Akteuren jedoch nicht: „Das ist ein Eintauchen in eine andere Welt, das tut gut“, verrieten viele Teilnehmer, die historisch bewandert sind, dass jeder Lehrer sich freuen würde.

Bei der Nachstellung der Bergisel-Schlacht am Samstag durfte natürlich Andreas Hofer nicht fehlen: dargestellt von Klaus Gurschler, der Hofer schon in einem Film verkörpert hat und so wie der Freiheitsheld aus St. Leonhard im Passeier stammt. Seinen Weg kreuzte auch ein Napoleon-Darsteller: Der war zwar nie in Tirol und am Bergisel nicht dabei, „aber das ist medienwirksam“, verrieten die Organisatoren augenzwinkernd.

PS: Für geschichtlich Interessierte – Marcus Autherith hat jetzt auch in Tirol einen Verein gegründet: das Tiroler Jägerregiment Nr. 64.