Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.07.2017


Tirol

Tiroler Ärztin hilft Frauen in Nepal und Indien

Hilfe für Schwangere und Gesundenuntersuchungen: Frauenärztin Elisabeth Marth gibt ihr Wissen in Nordindien und Nepal weiter.

© marthDie begeisterte Bergsteigerin und Frauenärztin Elisabeth Marth wird wie hier in Nepal bei ihren Besuchen von den Kindern sofort umringt.Foto: privat



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Angefangen hat alles mit einer Trekkingtour: Die begeisterte Bergsteigerin und Innsbrucker Frauenärztin Elisabeth Marth lernte auf dem Trail in die abgeschiedene Zanskar-Region in Nordindien Bergführer Yeshi kennen. „Wir haben uns angefreundet und ein Jahr später war ich zu seiner Hochzeit mit der Schweizer Ärztin Rebecca eingeladen“, erzählt Marth.

Yeshi und Rebecca setzen sich mit ihrer kleinen Organisation Zanskar Health Organisation (zanskarhealth.com), in der nur Freunde und Bekannte mitarbeiten, „sehr für Verbesserungen im Gesundheitssystem ein“, so Marth. Weil die Zanskar-Region im westlichen Himalaya in der Winterzeit fast acht Monate von der Umwelt abgeschnitten ist, „müssen Kranke im Notfall einen tagelangen Fußmarsch zurücklegen, um zumindest in der kleinen Verwaltungsstadt Padum ärztliche Hilfe zu bekommen“, weiß Marth. Daher hat sich die Gynäkologin entschieden, ihr Wissen diesen Frauen – natürlich gratis – zur Verfügung zu stellen. „Ich werde mit der Zanskar Health Organisation – die übrigens immer Spender braucht – im Jänner 2018 zusammen mit Schweizer Ärzten und Bergführern einheimische ‚rescue teams‘ in den ‚basics‘ schulen. Es geht nicht nur um Wissen der Geburtshilfe, sondern vor allem darum zu erkennen, ob sich das ungeborene Kind oder die Mutter eventuell in einer kritischen Situation befinden und man handeln muss. In Einzelfällen gibt es nämlich die Möglichkeit, dass das Militär Menschen nach Leh ins Spital fliegt.“ Dafür nimmt Marth unter anderem eine Puppe mit nach Nordindien, „damit ich den Menschen zeigen kann, bei welchen Lagen des Ungeborenen man bei der Heimgeburt, die dort der Normalfall ist, aufpassen muss“. Das Interesse an Marths Besuch ist schon jetzt groß: „Die einzige Hebamme vor Ort, die bald in Pension geht, wird kommen. Und der tibetische Heiler und der praktische Arzt in Padum haben auch ihr Kommen angekündigt“, freut sich Marth.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Frauenärztin für ein Hilfsprojekt einsetzt. Bereits zweimal war sie mit einer Gruppe von Innsbrucker Ärzten und der Mutter von David Lama, die Kinderkrankenschwester ist, mit der Organisation Nepal Trust Austria in Nepal. „Ich war die einzige Gynäkologin im Team und habe bei jedem Besuch rund 400 Frauen untersucht, die dafür oft tagelang zu Fuß angereist sind.“ Nächstes Jahr wird Marth auch dort wieder im Einsatz sein.