Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.06.2017


Exklusiv

Eltern wehren sich gegen Schließung der Volksschule Lechleiten

Am Donnerstag flatterte der Auflassungsbescheid des Landes in die Volksschule Lechleiten. Elternvertreter sind empört.

© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Steeg – Nun geht es der Volksschule Lechleiten an den Kragen, gestern kam der offizielle Auflassungsbescheid mit der Post. In Lechleiten, einem nahe Warth (Vbg.) gelegenen Weiler Steegs, gibt es mit der Volksschuloberstufe noch eine in Tirol „ausgestorbene“ achtjährige Schulform. Obwohl für kommenden Herbst vier Volksschüler, zwei Kinder aus Warth und zwei Oberstufler, die Schule besuchen würden (Tirols selbstauf­erlegte Untergrenze liegt bei drei Kindern), wurden die Eltern informiert, dass sie ihre Kinder im nächsten Schuljahr entweder in Steeg oder in Schröcken (Vbg.) anmelden müssen. Eine große zusätzliche Bürde zum hochalpinen Leben in den Steeger Gemeindefrak­tionen Lechleiten und Gehren. Neben der reinen Ausbildung ist mit dem Schritt auch das kulturelle Leben, bei dem die Schule im Jahreskreis als Motor fungierte, betroffen.

Die Abgeordnete Maria Zwölfer macht nun mittels Anfrage bei Landesrätin Beate Palfrader Druck, um die Schließung noch zu verhindern. Zwölfer: „2009 und 2010 war Palfrader medienwirksam an der VS Lechleiten, lobte die Schule über den Klee – und jetzt will sie alles ohne Zwang zudrehen. Das verstehe einer. Wenn sie schon sparen will, dann in der Verwaltung.“

In Tirol werden laut Landesrätin Beate Palfrader mit Schulbeginn Herbst elf Kleinschulen geschlossen: „Die Gemeinden haben selbst darum angesucht.“ Diese Schulformen seien nicht mehr zeitgemäß. Für die Volksschuloberstufe gebe es etwa gar keinen Lehrplan mehr. Die Kinder bräuchten für eine gute Entwicklung aus pädagogischer Sicht mehr Mitschüler und wechselnde Lehrpersonen. Palfrader will die unzeitgemäße Tiroler Mindestschülerzahl von drei aufheben lassen – in Vorarlberg gelte 15, in der Steiermark sogar 20.

In Steeg gibt es laut Palfrader drei Volksschulen und drei Direktoren für nur 30 Kinder – für sie viel zu viel. Auch die Volksschule im Weiler Hägerau werde deshalb geschlossen. Eine Schule pro Ort müsse reichen. Außerdem seien die Ressourcen knapp: Inklusion und Migrantenkinder würden höhere Aufwendungen in ganz Tirol bedeuten. Genau hier hakt die Steeger Gemeindvorständin Maria Fritz aus Lechleiten ein. „Dann sind jetzt also ausländische Kinder mehr wert als einheimische.“ Sie will mit den Eltern mit allen Mitteln um den Erhalt kämpfen. Sonst seien nur noch Alte im Ort. Die Gemeinde Steeg hat als einzige kein Ansuchen um Schließung gestellt. Fritz: „Ich hoffe, BM Günter Walch wird berufen.“ Der Gemeindechef war am Donnerstag nicht erreichbar – morgen mehr.