Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.07.2017


Osttirol

Matrei plant Zentrum für Erstversorgung

Neben dem Heliport in Matrei soll ein „Primärversorgungszentrum“ für das Iseltal entstehen. Der Notarztverband Osttirol bleibt noch skeptisch.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Heute Abend tagt in Matrei der Gemeinderat. Unter Punkt elf auf der Tagesordnung findet sich folgendes Thema: „Heli Mount GmbH, Urreitung 84, 5600 St. Johann i. P. – mögliche finanzielle Beteiligung an der Errichtung eines Primärversorgungszentrums – Ausschreibung Verkauf des Grundstücks 982, Matrei, an den Notarztverband Osttirol /Dr. Gernot Walder GmbH“.

Stichwort Primärversorgungszentrum: Damit sind medizinische Zentren gemeint, in denen praktische Ärzte und/oder Fachärzte gemeinsam mit anderen Gesundheitsberufen wie Therapeuten, Ernährungsberatern, Pflegekräften etc. zusammenarbeiten. Geräte sollen gemeinsam besser genutzt werden und durch Synergien könnte die Öffnungszeit eines solchen Primärversorgungszentrums bis in den Abend ausgedehnt werden – was bei Einzelpraxen von praktischen Ärzten eher nicht der Fall ist. Hintergrund: Die Spitalsambulanzen sollen entlastet werden – es gilt: Jeder Patient hat als allererste Anlaufstelle den Hausarzt bwz. praktischen Arzt, erst dann wird er eventuell weiterverwiesen.

Doch wie soll sich das auf Matrei auswirken? Laut Bürgermeister Andreas Köll geht es im heutigen Gemeinderat um ein etwa 500 Quadratmeter großes Grundstück, das an den bestehenden Stützpunkt des Notarzthubschraubers Martin 4 der Heli Tirol angrenzt. Für dieses Grundstück schwebt Köll die Errichtung eines solchen „Erstversorgungszentrums“ vor. „Wir wollen das Grundstück zu einem sehr günstigen Preis dem Notarztverband Osttirol anbieten“, meint Köll. Über den Preis und die Verkaufsbedingungen soll der Gemeinderat heute beraten.

Doch wer soll im geplanten Primärversorgungszentrum Dienst tun? Laut Bürgermeister eine Gemeinschaft aus praktischen Ärzten vor Ort und den Hubschrauber-Notärzten, die laut Köll noch Reserven hätten. „Diese haben im Durchschnitt nur einen Einsatz pro Tag.“ Die restliche Zeit könnten sie also anders nutzen. „Schon jetzt arbeiten manche Heli-Ärzte im bestehenden Notarztsystem für Osttirol mit“, meint Köll.

Was außerdem eine Rolle spielt: Einer der praktischen Ärzte in Matrei geht nächstes Jahr in Pension. Schon dadurch würde ein Mangel entstehen, so der Ortschef.

Arzt Gernot Walder, Koordinator des Osttiroler Notarztverbandes, findet den Zeitpunkt für eine Diskussion darüber noch viel zu früh. „Wir müssen erst schauen, was überhaupt machbar ist. Zurzeit gibt es noch viel zu viele Unsicherheiten und Grauzonen, was das Gesetz für Primärversorgungszentren angeht.“ Mitte Juli wird der Notarztverband seine Jahreshauptversammlung abhalten, dann könne man vielleicht schon mehr sagen, meint Walder. Eines stellt er jedoch klar: Die Menschen im oberen Iseltal würden auf keinen Fall „hängen gelassen“.

Im Defereggental gibt es bereits eine unkonventionelle Lösung: eine Ärztegemeinschaft, die sich abwechselt.