Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.07.2017


Gesellschaft

Klimawandel wird die größte Herausforderung

Siegfried Sauermoser übergibt das Zepter der WLV Sektion Tirol an Gebhard Walter. Jahr für Jahr werden über 40 Millionen Euro verbaut.

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© Winsauer



Innsbruck – 13 Jahre lang stand Siegfried Sauermoser, den alle nur Sigi nennen, als Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in Tirol vor. Bevor er in den Ruhestand, der wohl ein unruhiger werden könnte, tritt, sagte er gestern bei der Präsentation seines Nachfolgers rückblickend: „Wir waren in den vergangenen Jahren immer wieder mit Situationen und Ereignissen konfrontiert, die auch das überschritten haben, was wir uns als Experten vorstellen konnten.“ Jetzt übergibt er die Geschicke der WLV an seinen bisherigen Stellvertreter Gebhard Walter. Und auch der meinte: „Der Klimawandel greift bis zu einem gewissen Maß sicher um sich.“

70 Prozent der Baumaßnahmen der WLV entfallen mittlerweile auf Wildbachschutzprojekte. Sauermoser sagte: „Wir hatten in diesem Bereich in den vergangenen zehn, zwölf Jahren, gerade im Sommer bedeutende Ereignisse. Die Winter dagegen waren, bis auf wenige Ausnahmen, ruhig.“ So entfallen auf die Lawinenverbauungen mittlerweile auch nur noch rund 16 Prozent der Baumaßnahmen. Deutlich an Bedeutung gewinnt der Schutz vor Steinschlägen. Immerhin verbaut man Jahr für Jahr in Tirol knapp 40 Millionen Euro. „Es ist wichtig, dass wir hier schnell reagieren können. Der Klimawandel ist schwer zu fassen. Vor allem, was uns da erwarten wird“, bilanziert Sauermoser, der in seiner Abschieds-Pressekonferenz unter anderem auf die Großereignisse im Oberland 2005, in Kössen 2013 sowie in See und Sellrain 2015 zurückblickte. „Erfreulicher ist es aber, wenn wir Schutzbauten haben und diese ein Ereignis verhindern, dann liest man glücklicherweise nichts darüber in der Zeitung“, erklärte Sauermoser.

Sein Nachfolger, der gebürtige Galtürer Walter, will die „großen Fußstapfen“ füllen und die kontinuierliche Arbeit fortsetzen. Er erklärt: „Die Erwartungshaltung an die WLV in Tirol ist sehr hoch und sie ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Infrastruktur und Mobilität sind in den Tälern enorm wichtig. Es wird in den kommenden Jahren auch unsere Aufgabe sein, das Niveau zu halten und die älteren Schutzbauten alle zu überprüfen.“

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter verlieh Walter gestern sein Ernennungsdekret. Es gilt ab August. Dann ist der neue Chef zuständig für 40.000 Schutzbauten – und natürlich die über 200 Mitarbeiter. Rupprechter lobte gestern genauso die Arbeit von Sauermoser wie LHStv. Josef Geisler. Die Zusammenarbeit zwischen der WLV und den Gemeinden funktioniere hervorragend. (mw)