Letztes Update am Do, 06.07.2017 11:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Weltkulturerbe: UNESCO setzt Wien auf Rote Liste

Die Bauprojekte der vergangenen Jahre gefährden das einzigartige Stadtbild der Metropole. Vor allem ein geplantes Hochhaus am Heumarkt sei ausschlaggebend für die Entscheidung, hieß es.

Das geplante Hochhaus am Heumarkt-Areal.

© ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MURRDas geplante Hochhaus am Heumarkt-Areal.



Wien – Die UNESCO hat das historische Zentrum Wiens auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Das hat das Welterbekomitee am Donnerstag bei einer Sitzung in Krakau entschieden. Begründet wird die Entscheidung unter anderem damit, dass die Altstadt durch die „massive städtebauliche Entwicklung der letzten Jahre“ ihren „außergewöhnlichen, universellen Wert“ verliere, hieß es.

Nach Beanstandungen von Bauprojekten bei Wien Mitte und beim Hauptbahnhof seien die Höhe und Kubatur des Hochhausprojekts am Heumarkt ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen.

Neben dem Hotel Intercontinental – das ebenfalls neu gebaut wird – soll dort ein 66 Meter hoher Wohnturm errichtet werden. Außerdem seien die Stadtplanungsinstrumente zum Schutz des Welterbegebiets unzureichend, begründete die UNESCO die Aufnahme in die Rote Liste.

„Blamabel für die Stadt Wien“

„Die nun erfolgte Eintragung auf die Rote Liste schadet dem Kulturland Österreich, ist blamabel für die Stadt Wien und Österreich. Es zeigt die fehlende Wertschätzung für das selbst ausgewählte Welterbegebiet und auch das Unverständnis für die Bedeutung des Welterbes. Es geht beim Welterbestatus nicht um ein Tourismus-Ranking oder ein Etikett für die touristische Vermarktung, sondern um den langfristigen Erhalt einer außergewöhnlichen Stätte für die Menschheit, für zukünftige Generationen“, sagte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission in einer Aussendung.

IG-Autoren kritisieren Stadt

Die IG-Autoren haben mit scharfer Kritik an der Stadtregierung auf die Aufnahme des historischen Zentrums Wiens in die Rote Liste der UNESCO reagiert. „Die Zeit für Ausflüchte ist endgültig zu Ende, es müssen Verhältnisse geschaffen werden, die den Erhalt des Weltkulturerbe-Status garantieren“, forderte Geschäftsführer Gerhard Ruiss bereits in einer Aussendung am Mittwoch.

„Dieses blamable Ergebnis einer sich bei der Bewilligung des Heumarkt-Projektes an Sachverhalten nicht interessiert zeigenden Wiener Stadtpolitik hat sich schon lange vorher abgezeichnet“, urteilte Ruiss. „Als einziges kriegs- und krisenfreies, nicht von Naturkatastrophen heimgesuchtes westliches Land, das sein Kulturerbe nicht schützt, ist Österreich auf der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturerbes zu finden“, kritisierte er. Anstatt sich den Tatsachen zu stellen, habe die Stadtregierung „zu einer Wunschvorstellung nach der anderen gegriffen“.

Vassilakou bedauert Entscheidung

Die Wiener Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bedauert die Entscheidung der UNESCO, das mit dem Prädikat Weltkulturerbe versehene historische Zentrum Wiens auf die Liste der bedrohten Kulturgüter zu setzen. Auch wenn diese nicht überraschend gekommen sei, wie sie im APA-Gespräch betonte.

„Die UNESCO hat bereits im Frühjahr eindeutig mitgeteilt, dass, wenn die Widmung (für das so genannte Heumarkt-Areal, Anm.) beschlossen wird, Wien auf die Rote Liste gesetzt wird. Insofern ist das eine Entscheidung, von der wir wussten. Es ist bedauerlich, dass die Auffassungsunterschiede mit der UNESCO weiter bestehen“, sagte die Ressortchefin.

Die UNESCO sei leider nicht auf den Umstand eingegangen, dass das betreffende Hochhaus überarbeitet wird. Es werde zudem ignoriert, dass es sich am Heumarkt bereits um einen Hochhausstandort handle und sich in der Umgebung bereits andere höhere Hochhäuser befinden würden: „Und es wird ignoriert, dass mit dem betreffenden Projekt eine wesentliche Verbesserung des öffentlichen Raums erreicht wird. Auch die Kulturinstitution Eislaufverein wird abgesichert.“

Ultimatum bis 2018

Dazu komme, dass das Welterbekomitee seine Entscheidung auf falsche Voraussetzungen stütze. In der inneren Stadt und am Ring bzw. im Glacis-Bereich seien keine Hochhausentwicklungen geplant. Entsprechende, vom internationalen Denkmalrat ICOMOS – der beratend für die UNESCO als Gremium auftritt – gemachte Angaben würden nicht den Tatsachen entsprechen.

Wien wird sich laut Vassilakou bemühen, dass das historische Zentrum wieder von der Roten Liste genommen wird: „Ziel ist, die falschen Informationen zu korrigieren.“

Österreich hat nun bis 1. Februar 2018 Zeit, dem Welterbekomitee ein Update über den Erhaltungszustand der Welterbestätte zu übermitteln. Sollte die Stadtregierung die erforderlichen Maßnahmen nicht umsetzen, droht als nächster Schritt die Aberkennung des Welterbestatus.

Um wieder von der Roten Liste zu kommen, müsste die Stadt Wien das Bauprojekt am Heumarkt so umplanen, dass die von der UNESCO vorgegebene Maximalhöhe von 43 Metern eingehalten wird. Zudem müsste die Stadt verbindliche Planungsinstrumente zum Schutz des Welterbes schaffen. (TT.com/APA)

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