Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.07.2017


Bezirk Reutte

Hürden für Deutschkurs sind enorm

Mit Barbara Heinrich und Susanne Schiftner hat der Bezirk Reutte zwei Spezialistinnen, was die Flüchtlingsbetreuung betrifft.

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© Öster. Integrationsfond



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Wien – Zwei Außerfernerinnen haben freiwillig viel auf sich genommen, um Probleme und Aufgaben von und mit Migranten besser verstehen und Hilfestellung effizienter geben zu können. Auf eigene Kosten besuchten Susanne Schiftner und Barbara Heinrich in Wien einen mehrmonatigen Studienlehrgang für Transkulturelles Management beim Österreichischen Integrationsfonds, den sie kürzlich erfolgreich abgeschlossen haben. Beide können das Wissen in ihren Berufen täglich nutzen, aber etwa auch einen künftigen Bezirksintegrationsbeauftragten mit Infos versorgen. So wurde exakt erarbeitet, wer und was im Bezirk Reutte in Bereich Asyl und Integration tätig ist. Auch Projekte und Freiwilligenarbeit wurden beleuchtet. Schiftner arbeitet an der Wirtschaftskammer Reutte und betreut dort unter anderem Deutschkurse für anerkannte Flüchtlinge. Heinrich ist bei den TSD beschäftigt und leitet die Asylwerberbetreuung im Raum Zwischentoren.

Barbara Heinrich hat etwa bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass der Einsatz der Freiwilligen im Bezirk zurückgegangen ist – aus unterschiedlichsten Gründen. Manchmal, weil er nicht mehr benötigt wurde. So brauchte es die „Kleiderkammer“ nicht mehr, weil das Land den Betreuten dafür nun Geld zur Verfügung stellt. „Aber auch“, weiß die Psychologin, „weil es Enttäuschungen gegeben hat, Erwartungen zu hoch gesteckt waren oder möglicherweise auch der erhoffte Dank ausgeblieben ist.“

Für Susanne Schiftner sind die behördlichen Vorschreibungen, die bereits Asylberechtigte zu bewältigen haben, um in den Genuss eines Deutschunterrichts zu kommen, eine einzige Katastrophe. „Ein Außenstehender kann sich nicht im Mindesten ausmalen, was den Betroffenen hier alles abverlangt wird. Dokumente und Bescheide müssen an verschiedensten Stellen in Tirol abgeliefert werden. Von ihnen kann aber noch niemand Deutsch. Die Leute kommen vom Lechtal mit dem Bus nach Innsbruck aufs Amt, um dort um 11 Uhr vormittags mitgeteilt zu bekommen, dass sie aufgrund der Warteschlange nicht mehr drangenommen werden.“ Also müssten sie unverrichteter Dinge zurück und am nächsten Tag einen neuen Versuch starten. „Oder Automatenpassbilder werden nicht anerkannt – weil Menschen in dieser Situation ja Geld für einen teuren Fotografen übrig haben“, schüttelt sie den Kopf. Schiftner hätte sowieso die Lösung parat: „Für Deutschunterricht sollte es überhaupt kein Ansuchen von Seiten der Flüchtlinge brauchen. Die Kurse sollten vielmehr frei – und verpflichtend – sein.“

Was beiden bei ihren Studien noch aufgefallen ist: Im Vergleich zu anderen Tiroler Bezirken seien in Reutte alle Beteiligten – von Bezirkshauptmannschaft über AMS, Krankenkassen, Ärzte, Freiwillige u. v. m. – bestens miteinan- der vernetzt und würden sich mit gutem Willen zuarbeiten.

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