Letztes Update am Fr, 28.07.2017 14:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hawaii

Honolulu verbietet SMS-Schreiben beim Überqueren von Straßen

Augen auf in Honolulu: Wer dort als Fußgänger auf Smartphones, Kameras und dergleichen starrt, anstatt nach links und rechts zu schauen, muss mit Geldbußen rechnen. Man wolle die Menschen damit jedoch nicht bestrafen, sondern wachrütteln.

Wer nur noch auf sein Smartphone starrt und von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, wird "Smombie" genannt. Das Kofferwort aus den Begriffen "Smartphone" und "Zombie" wurde 2015 zum Jugendwort des Jahres gewählt.

© Getty ImagesWer nur noch auf sein Smartphone starrt und von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, wird "Smombie" genannt. Das Kofferwort aus den Begriffen "Smartphone" und "Zombie" wurde 2015 zum Jugendwort des Jahres gewählt.



Von Tamara Stocker

Honolulu — Für den Blick aufs Smartphone werden die Bewohner von Hawaiis Hauptstadt künftig bestraft — zumindest, wenn sie währenddessen eine Straße überqueren. Honolulus Bürgermeister Kirk Caldwell unterzeichnete am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz, das mit 25. Oktober im Kraft treten wird.

Demnach ist eine Buße von 35 Dollar fällig, wenn Fußgänger beim Passieren einer Straße mit mobilen Elektrogeräten wie Smartphones, Laptops, Spielkonsolen, Digitalkameras oder Pagers erwischt werden. Wiederholungstäter müssen 75 Dollar zahlen, der dritte Verstoß kostet bereits 99 Dollar. Telefonieren und Musik hören soll weiterhin erlaubt sein, vorausgesetzt, man starrt dabei nicht auf das Display. Rettungskräfte sowie Menschen, die den Notruf alarmieren, sind von dem Verbot ausgenommen.

Auch Fußgänger müssen Verantwortung tragen

Caldwell sagte bei einer Pressekonferenz, er hätte sich gewünscht, ein solches Gesetz wäre nicht nötig gewesen. Man könne gesunden Menschenverstand aber scheinbar nicht voraussetzen. „Wir wollen damit einerseits die Fußgänger auf den Gehsteigen und Zebrastreifen, andererseits aber auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer schützen", erklärte das Stadtoberhaupt. In Honolulu würden mehr Fußgänger von Autos angefahren als in jeder anderen Stadt in Hawaii.

Das Gesetz wurde von Stadtrat Brandon Elefante initiiert, dem es ein Anliegen ist, besonders Schüler zu schützen. Er hätte viele Gruppen beobachtet, die dem Verkehr keine Achtung schenkten und einfach über die Straße gingen.

Zudem müssten die Fußgänger lernen, mehr Verantwortung zu tragen. „Es gibt Gesetze für Autofahrer und Radfahrer, warum nicht auch für Fußgänger? Auch sie müssen dem Geschehen auf der Straße ihre Aufmerksamkeit schenken und sich nicht auf andere Verkehrsteilnehmer verlassen", führte Elefante weiter aus.

Gegenwind: „Gesetz ist übertrieben"

Zudem sei mit der voranschreitenden Technologie auch das Gefahrenpotenzial gewachsen. Darauf müsse man entsprechend reagieren. „Die Sicherheit der Bevölkerung steht immer noch an erster Stelle", verdeutlicht Elefante. Wer in Honolulu bei einer Roten Ampel über die Straße geht, muss ein Bußgeld von 130 Dollar zahlen. Die Strafen für Smartphone-Sünder seien deshalb niedriger angesetzt, weil sie in erster Linie Bewusstsein schaffen sollen.

Zwei Stadträte hatten gegen das Gesetz gestimmt. Einer von ihnen, Ernie Martin, etwa sagte, das Verbot sei „völlig übertrieben". Er hätte sich stattdessen eine Kampagne gewünscht. Unterstützung erfährt die neue Regelung hingegen von der örtlichen Polizei. Ein Sprecher sagte, das Gesetz sei Teil der Bemühungen, die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten zu reduzieren. Diese sei, vor allem im Hinblick auf Todesopfer, in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Tatsächlich sind Smartphone-Unfälle keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr etwa fiel ein Mann in New York in einen Teich, während er das Smartphone-Spiel Pokémon Go spielte. Erst vor wenigen Wochen ging ein Video einer Frau viral, die durch eine offenen Kellertür stürzte, weil sie von ihrem Handy abgelenkt war.

Honolulu ist die erste US-Hauptstadt, in der besagtes Gesetz in Kraft tritt. In einer Kleinstadt im US-Bundesstaat New Jersey ist es bereits seit dem Jahr 2012 verboten, die Straße zu überqueren, während man auf das Smartphone starrt. Als das Gesetz auf den Bundesstaat ausgeweitet werden sollte, wurde dies jedoch abgelehnt.