Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.08.2017


Innsbruck

Ein junger Innsbrucker, bei dem die Chemie stimmt

Von Tirol bis nach Thailand: Der 17-jährige Stefan Schmid brilliert bei der Chemieolympiade – und investiert viel Freizeit in seine Leidenschaft.

© Georg Schellander



Von Michael Domanig

Innsbruck – Zugegeben, es mag ein allzu naheliegendes Wortspiel sein: Aber bei Stefan Schmid aus Innsbruck stimmt einfach die Chemie. Der Schüler des BG/BRG Sillgasse, seit Freitag 17 Jahre jung, widmet sich der hochkomplexen Welt der Reaktionen und Bindungen mit enormer Leidenschaft – und großem Erfolg.

- Wolfgang Faber

Schon seit der vierten Klasse nimmt er an der unverbindlichen Übung „Chemieolympiade“ teil und investiert dafür in seiner Freizeit zwei bis vier Stunden pro Woche. Ein Einsatz, der Früchte trägt: Beim heurigen Landesbewerb in Telfs holte Schmid den Sieg – und sicherte sich damit die Teilnahme am Bundeswettbewerb in Baden (NÖ). Dort, wo Chemie schon auf quasi universitärem Niveau betrieben wird, qualifizierte er sich als Vierter für die Internationale Chemieolympiade in Nakhon Pathom (Thailand).

Großen Anteil daran habe Chemielehrer Helmuth Wachtler, betont Schmid: „Er lässt mich immer ins Labor, wenn ich will“, lacht er – und ackerte sich mit dem Schüler durch dicke Skripten der früheren Bundesbewerbe. Auch die Schulführung habe ihn sehr unterstützt: Immerhin wurde Schmid für den Bundesbewerb zwei Wochen freigestellt, musste Schularbeiten nachschreiben – und ließ für den Thailand-Trip bzw. fünf Tage intensiver Vorbereitung in Wien dann auch noch die letzte Schulwoche sausen.

Die Erfahrung als Teil des österreichischen Nationalteams in Thailand nennt Schmid ein „großes Abenteuer“. Von der Anfahrt – die 300 Schüler aus aller Welt wurden vor Ort in elf Reisebussen samt Polizeieskorte befördert – bis zur Eröffnungsfeier, an der sogar die thailändische Prinzessin teilnahm, wurde die Olympiade ganz groß aufgezogen. Und streng: Ab der Ankunft waren die Teilnehmer strikt von ihren Lehrern separiert.

Beim fünfstündigen Praxisbewerb wurde Schmid dann mit einem 50-seitigen Heft voll Aufgaben zu Synthese, Löslichkeitsprodukten oder pH-Wert-Ermittlung konfrontiert. Auch der fünfstündige Theoriebewerb mit einem 60-seitigen Aufgabenheft hatte es in sich. Am Ende durfte sich Schmid über Platz 121 unter 300 Teilnehmern und eine Bronzemedaille freuen, die er bei einer „gigantischen Preisverleihung“ entgegennahm.

Mutter Claudia ist stolz auf den begabten Filius. Was sie besonders freut: „Dass Schüler aus Regelschulen beim Bundeswettbewerb mit jenen aus Privat- und Eliteschulen mithalten können. Dazu braucht es aber viel Engagement von Schülern und Lehrern.“

Auch im kommenden Maturajahr strebt der Innsbrucker wieder eine Teilnahme bei der Internationalen Chemieolympiade an – „falls ich mich qualifiziere, denn der Wettbewerb in Österreich ist hart“. Der Bundesbewerb liege jedenfalls genau zwischen schriftlicher und mündlicher Matura, „das sollte zeitlich kein Problem sein“, sagt Schmid leichthin. Dass er nach der Matura Chemie studieren wird, sei fix – ob es ihn eher in die Forschung oder in die Privatwirtschaft ziehe, werde sich weisen.

Stefan Schmid kam übrigens mit einem schweren angeborenen Herzfehler auf die Welt und wurde schon mit wenigen Monaten operiert. Im Alltag gebe es für ihn aber „keinerlei Einschränkungen“, betont Schmid, der nebenbei auch ein talentierter Tischtennisspieler ist. „Höchstens beim Hochleistungssport – und ich habe mich eben für die Wissensolympiade entschieden“, meint er mit breitem Grinsen.




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