Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.08.2017


Bezirk Landeck

Netzwerk von 166 Waalen im Obergricht digitalisiert

Die Tiroler Waalgruppe hat die über Jahrhunderte lebenswichtigen Bewässerungsanlagen erforscht und plädiert für mehr Wertschätzung.

Der Waal in Ried/Frauns ist eine der ganz wenigen Bewässerungsanlagen, die noch genutzt werden. Im Bild Matthias (l.) und Lukas Schöpf.

© WenzelDer Waal in Ried/Frauns ist eine der ganz wenigen Bewässerungsanlagen, die noch genutzt werden. Im Bild Matthias (l.) und Lukas Schöpf.



Von Helmut Wenzel

Obergricht – Wasser ist Leben. Das war den Bauern im Obergricht spätestens seit den Jahren um 1200 klar. Im Laufe der Jahrhunderte entstand zwischen Prutz und Nauders ein erstaunliches Netzwerk an Bewässerungsanlagen, womit der Getreideanbau, Viehzucht und insgesamt der Lebensraum für die Bevölkerung gesichert wurden.

Als um 1970 immer mehr Beregnungsanlagen errichtet wurden, verloren zahlreiche Waale an Bedeutung und verfielen. Damit die Waalkultur nicht komplett versinkt, ist die ehrenamtlich tätige Tiroler Waalgruppe angetreten, um Spurensicherung zu leisten – die TT berichtete.

Waal bei Faggen – mit „Fallenbrett“ zur Verteilung des Wassers.
Waal bei Faggen – mit „Fallenbrett“ zur Verteilung des Wassers.
- Tiroler Waalgruppe

Heuer war die Gruppe mehrere Wochen vor Ort im Obergricht, um das Kulturgut zu erforschen. Am Ende des Tages konnte die Gruppe nicht weniger als 166 Waale dokumentieren. „Der Großteil der Anlagen zur traditionellen Flurbewässerung ist erhoben“, resümierte Werner Holzner, Sprecher der Waalgruppe. „Für Fiss hat die Zeit leider nicht gereicht, das holen wir im Herbst nach.“ Für die gute Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern und einigen „Waalern“ (einheimische Waalbetreiber bzw. lokale Experten) könne sich die Gruppe nur bedanken.

Die GPS-Daten der Waale habe man so gut wie vollständig erfasst, wie Burghart Fiechtner, Digital-Experte der Waalgruppe, bestätigte. Spitzenreiter ist demnach Nauders, wo 44 Waale erfasst werden konnten. „Grundlage war das Waalbuch von Alois Prugg aus dem Jahr 1926, wo 29 Waale angeführt sind. 15 Waale sind nach dem 2. Weltkrieg dazugekommen.“

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In Tösens habe man mit Unterstützung von Josef Schranz, Mitglied der lokalen Beregnungsgenossenschaft, zwölf Waale ausfindig machen und per GPS vermessen können. Ein weiterer Tösner, Stefan Venier, führte die Gruppe zu dem in Fels gehauenen Krobbli-Waal. Dieser gleicht dem bekannteren Rumml-Waal südlich von Landeck.

Im Rieder Ortsteil Frauns traf die Gruppe auf Andreas Schöpf, der mit den Söhnen Matthias und Lukas einen der ganz wenigen noch aktiven Waale zur Bewässerung der Wiesen nutzt. „Vielleicht gelingt es uns, dass diese Anlage in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wird“, hofft Holzner.

Über etwas mehr Wertschätzung des alten Kulturgutes würde sich die Gruppe freuen. „Wir bekommen von vielen Leuten Lob, auch von Touristikern. Nur ist die finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit bisher nicht allzu üppig ausgefallen“, stellt der Sprecher fest.

Eine Reaktivierung der teils verfallenen oder gar verschwundenen Bewässerungsanlagen sei freilich unrealistisch. „Trotzdem könnte bei uns zumindest der eine oder andere Waalwanderweg nach Südtiroler Vorbild errichtet werden“, so Holzner.

Enormen technischen Aufwand wie beim Krobbli-Waal in Obertösens betrieben die Bauern, um ihre Felder bewässern zu können.
Enormen technischen Aufwand wie beim Krobbli-Waal in Obertösens betrieben die Bauern, um ihre Felder bewässern zu können.
- Tiroler Waalgruppe