Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.09.2017


Bezirk Innsbruck Land

Vom Glungezer in die weite Welt hinaus

Die Pächter der Glungezerhütte tauschen in Bälde Hüttenluft gegen Segelboot, sie gehen auf Weltreise mit „Open End“. Ihre Nachfolger stehen in den Startlöchern.

© Zoom.Tirol



Tulfes – „Hüttenwirt ist einer der schönsten Berufe, den man in den Alpen ausüben kann“, schwärmt Gottfried Wieser. Gemeinsam mit Lebenspartnerin Darja Kous führt er seit sieben Jahren die beliebte Glungezerhütte auf 2610 Metern. Aber nur noch bis inklusive 8. Oktober: Denn dann verlässt das Pächterpaar seinen hochalpinen Arbeitsplatz. „Im Grunde wollten wir es schon 2016 lassen“, erzählt Wieser, doch damals habe die AV-Sektion Hall so plötzlich keinen adäquaten Nachfolger gefunden. „Und weil es uns hier so gut gefallen hat, haben wir noch ein Jahr angehängt. Aber eigentlich bin ich schon ein Jahr in Pension“, lacht er.

Nun aber stünden mit Familie Koller aus dem Stubai neue, „hochmotivierte“ Pächter, die sich im Sommer bereits eingearbeitet hätten, in den Startlöchern, freut sich Wieser.

Natürlich falle das Weggehen nicht leicht, besonders wegen der vielen Stammgäste. „Aber irgendwann muss man sagen: ,Das war’s‘ und einen neuen Abschnitt beginnen.“ Im Falle des Pächterpaares wird das ein sehr abenteuerlicher Abschnitt: Seit drei Jahren bereiten die beiden eine „Weltumrundung“ vor. Ziel sei es, in die schönsten Gebirgsregionen der Welt (von Patagonien über Neuseeland bis Alaska) möglichst ökologisch anzureisen, so Wieser. Und zwar mit dem eigenen, hochseetauglichen Segelboot („andere haben eine Wohnung, wir ein Segelboot“) und Öffis.

Es soll eine Weltreise mit Open End werden: „Wir brechen alle Zelte ab“, betont Wieser. „Ab 1. November sind wir quasi Zeitmillionäre.“

Zusammen mit den Pächtern verlässt auch Koch Shiva Parajuli aus Nepal die Glungezerhütte. Er ist dort über das Sherpaprojekt der Nepalhilfe Tirol tätig – eine Tätigkeit, die von Vornherein auf maximal je vier Monate in vier Jahren beschränkt war. Mit Gerichten wie „Spaghetti à la Kathmandu“ sorgte er – abseits von typischen Hüttenspeisen wie Knödel oder Spatzl – für nepalesische Farbtupfer auf der Speisekarte. Nun soll er das in Tirol erworbene Know-how in seine Heimat mitnehmen.

Wieser hat die Arbeit „irrsinnig viel Freude gemacht“, besonders der persönliche Kontakt mit Gästen jeder Herkunft. „Vom Hochschulprofessor bis zum Fabrikarbeiter brachten wir hier heroben alle auf ein Niveau.“ Und: Man sei „weit, weit weg vom Stress, fast in einem Kokon“. Für die neuen Pächter ist er jedenfalls zuversichtlich – auch weil die neue Patscherkofelbahn für Impulse sorgen werde. (md)