Letztes Update am Do, 05.10.2017 16:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Reutte

Rücktritt nach Wirbel um „falsche“ Eier im Außerfern

Der Außerferner Bezirksbauernchef Richard Wörle hatte einem Pflegeheim Eier aus deutschen Legebatterien statt aus heimischer Freilandhaltung geliefert. Unterschiedliche Stempel hatten den Verdacht der Heimleitung erregt.

© dpa(Symbolbild)



Reutte, Innsbruck – Der Außerferner Bezirksbauernchef Richard Wörle ist am Donnerstag von sämtlichen Funktionen im Tiroler Bauernbund und der Tiroler Landwirtschaftskammer zurückgetreten. Wörle lieferte nach Engpässen auf seinem Pinswanger Bauernhof dem Bezirkspflegeheim Reutte, das großen Wert auf Regionalität legt, statt Eiern aus heimischer Freilandhaltung welche aus deutschen Legebatterien. Der Pflege­heimausschuss hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

In der Innsbrucker Bauernkammerzentrale hatten sich wegen des unausweichlichen Rücktritts emotionale Szenen abgespielt – auch Tränen floßen –, hatte Wörle als junger agiler Bezirks­obmann doch große Wertschätzung dort genossen.

Wörle relativiert Schuldeingeständnis

„Mir ist ein unentschuldbarer Fehler unterlaufen, dessen Konsequenzen ich nun voll und ganz tragen werde. Mir ist bewusst, dass mit meinem Verhalten die gesamte Tiroler Landwirtschaft einen Schaden erlitten hat und viele Bemühungen im Sinne der Regionalität nachhaltig beschädigt wurden“, sagte Wörle in einer schriftlichen Stellungnahme. Im direkten Telefonat hört sich der Pinswanger Bauer dann schon anders an: „Es war einfach eine Unachtsamkeit beim Einkauf. Ich trete zwar zurück, bin mir aber keiner Schuld bewusst. Und ich bin auch nicht verurteilt. Überhaupt bin ich plötzlich nur noch von Menschen umgeben, die keine Fehler machen“, kann er sich einen gewissen Sarkasmus nicht verkneifen. Er dankt ausdrücklich jenen, die in den letzten Stunden unverbrüchlich zu ihm gestanden sind.

„Verhalten nicht tolerierbar“

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger nahm den sofortigen Rücktritt von Wörle als Bezirksobmann in Reutte zur Kenntnis: „Als Kammerpräsident ist für mich dieses Verhalten nicht tolerierbar. Jeder hat sich an gesetzliche Rahmenbedingungen zu halten und gerade Funktionäre müssen hier eine Vorbildwirkung erfüllen.“

Ähnlich äußerte sich Tirols Bauerbundobmann Josef Geisler: „Ich nehme den Rücktritt von Richard Wörle zur Kenntnis und bitte die Menschen in unserem Land auch weiterhin um das Vertrauen in die Tiroler Landwirtschaft.“

Die Grünen erklärten in einer Aussendung, die Vorgehensweise von Richard Wörle sorge für Kopfschütteln. Wenn es zu Engpässe komme, sei es absolut unverständlich, warum nicht Bäuerinnen und Bauern aus dem Bezirk gefragt wurden. „Wörle kennt ja die vermutlich jeden Landwirt im Umkreis persönlich“, schüttelt die Grüne Landtagsabgeordnete Gabriele Fischer den Kopf und fordert Konsequenzen „Erst recht nach dem Fipronilskandal im Sommer sind derartige Vorgehensweisen für einen hochrangigen Vertreter der Tiroler Landwirtschaftskammer nicht tragbar“, sind sich die Grünen einig. (TT.com)