Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Bezirk Kitzbühel

Flächen für Einheimische sichern

Grund und Boden ist im Bezirk Kitzbühel ein rares und teures Gut. Bei Neuwidmungen wird deshalb von den Gemeinden gerne ein „Einheimischen-Anteil“ verlangt, die Handhabe ist aber nicht überall gleich.

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© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Grundstücke, die um enorme Summen den Besitzer wechseln, Summen, die des Öfteren auch im siebenstelligen Bereich liegen, sind im Bezirk Kitzbühel keine Seltenheit. Nicht nur in Kitzbühel selbst, auch in den Umlandgemeinden dreht sich die Preisspirale nach oben. Aurach und Reith haben hier schon lange angezogen, auch Kirchberg. Doch auch Wes­tendorf hat das zu spüren bekommen und selbst bis ins Pillerseetal steigen die Preise.

Die Gemeinden versuchen zum Teil mit der Raumordnung entgegenzuwirken. Bei bestehenden Flächen ist es schwierig, bei Neuwidmungen aber gibt es einen Hebel. So wird von den Grundstücksverkäufern gerne ein Einheimischen-Anteil verlangt. Also dass ein Teil der Fläche an Einheimische verkauft werden muss.

In Kirchberg hatte man sich vor Jahren auf die 50/50-Regel geeinigt, das bedeutet, dass die Hälfte der Fläche zu günstigen Preisen an Einheimische verkauft werden muss, die andere Hälfte kann auf den freien Markt gelangen. In der aktuellen Periode hat man hier auf 60/40 nachgebessert. In Reith kommt ebenfalls die 60/40-Regel zum Einsatz. „Das ist aber nicht in Stein gemeißelt, eigentlich gibt es kaum mehr Widmungen für frei verkäufliche Flächen“, sagt Reiths Bürgermeister Stefan Jöchl. Um aber an größere Flächen für Einheimischen-Wohnprojekte zu kommen, sei ein solcher Kompromiss notwendig. Auch in Reith kommt die Vertragsraumordnung zum Einsatz, mit einem Vorkaufsrecht der Gemeinde. Bei privaten Flächen sind 20 Jahre Vorkaufsrecht eingeräumt, bei Flächen, welche die Gemeinde an Einheimische weiterverkauft, sind es 25 Jahre.

Den Druck aus der Region um Kitzbühel spürt man auch im Pillerseetal. „Der Zuzug zu uns ist sehr groß, wir müssen hier reagieren“, sagt Brigitte Lackner, Bürgermeisterin in St. Ulrich. Noch gebe es keine genaue Vorgabe, man wolle aber auch Richtung 50/50-Regelung und diese noch dazu mit einer Vertragsraumordnung verschärfen. Hier laufen derzeit die Gespräche im Bauausschuss.

Wesentlich strenger ist man in Aurach. „Bei uns gibt es seit zehn Jahren Neuwidmungen nur noch für Einheimische“, betont Andreas Koidl. Es gebe in Aurach Altwidmungen – hier hätte man keine Handhabe –, Neuwidmungen für Einheimische und Neuwidmungen für Grundstücke, welche die Gemeinde für Einheimischen-Wohnbau ankauft. Die beiden Letzteren immer mit einem Raumordnungsvertrag, um einen Weiterverkauf der Grundstücke zu verhindern. „Der Druck ist natürlich groß, aber wir fahren seit Jahren sehr gut mit dieser strengen Vorgangsweise“, betont Koidl.

Auch in Kitzbühel gibt es kaum mehr Neuwidmungen, wie Bürgermeister Klaus Winkler betont. Und falls doch, nur mit Raumordnungsverträgen. Hier sichert sich die Stadt auch ein Vorkaufsrecht, dieses liegt derzeit bei einer Laufzeit von 30 Jahren. Eine fixe Quote wie die 50/50 gebe es in Kitzbühel nicht. „Doch wenn, dann liegen wir hier klar darüber. Die Aufteilung beträgt 70/30 oder auch 80/20, im Fall von Sonngrub war es noch ein deutlich kleinerer Teil, der frei verkauft werden kann“, betont Winkler.

In Westendorf wurde erst vor Kurzem die Vertragsraumordnung auf Schiene gebracht. Nun möchte Bürgermeisterin Annemarie Plieseis auch eine Regelung, wie die Aufteilung fixiert werden kann. Die 50/50-Variante ist ihr aber viel zu gering. „Wenn dann ein Einheimischer eine solche Immobilie kauft, der schon eine besitzt, und die alte weiterverkauft, haben wir wieder 100 Prozent, aber in die falsche Richtung“, sagt Plieseis. Vor allem für das anstehende Lindacker-Projekt soll es eine Lösung geben. Dazu laufen noch Gespräche im Bauausschuss.