Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Osttirol

15 Gemeinden machen beim Baurecht gemeinsame Sache

Ab 2018 soll die „Verwaltungsgemeinschaft Osttirol“ eine Anlaufstelle für das Baurecht von 15 Gemeinden bilden. Es gibt aber auch Skeptiker.

null

© Keystone



Von Catharina Oblasser

Assling – Zwei gute Gründe sprechen für Bürgermeister Ludwig Pedarnig dafür, die Baurechtsverwaltung seiner Gemeinde Schlaiten in neue Hände zu legen – und zwar in jene der neuen „Verwaltungsgemeinschaft Osttirol“. Pedarnig: „Erstens spart es Zeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam es ist, im Gemeindeamt an einem Bescheid zu arbeiten, während Parteienverkehr herrscht und ständig das Telefon klingelt.“ Die Mitarbeiter in der künftigen Verwaltungsgemeinschaft könnten hingegen ungestört arbeiten. Der zweite Grund: „Das ist die Routine“, sagt der Bürgermeister. „Während es in Schlaiten pro Jahr nur etwa drei Anträge auf Neubauten und vielleicht noch eine Garage oder Holzhütte gibt, so beschäftigt man sich in der Verwaltungsgemeinschaft die ganze Zeit nur mit Bauangelegenheiten. Das bringt viel mehr Erfahrung und Expertise mit sich.“

Doch was ist diese neue „Verwaltungsgemeinschaft Osttirol“? Sie ist ein Zusammenschluss von vorerst 15 Gemeinden im Bezirk, darunter Abfaltersbach, Nikolsdorf, Obertilliach, Schlaiten, Iselsberg-Stronach, St. Johann im Walde und Assling. Die 15 Gemeinden lassen ihre Baurechtsangelegenheiten von dieser neuen Gemeinschaft erledigen, statt sie selbst zu bearbeiten. Der jeweilige Bürgermeister bleibt jedoch zuständig und muss jeden Bescheid absegnen. Die Gemeinde ist weiterhin Anlauf- und Informationsstelle für alle Bauwerber.

Die Mitgliedsgemeinden zahlen sechs Euro pro Jahr und Einwohner. Eine großzügige Landesförderung ist in Aussicht. Offizieller Sitz der Verwaltungsgemeinschaft ist Assling. Ein Bürostandort für die vorerst drei Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft wird noch gesucht. Anfang 2018 soll die Gemeinschaft ihre Arbeit aufnehmen.

„Mit dieser neuen Einrichtung können kleine Gemeinden unterstützt und entlastet werden“, meint der Asslinger Bürgermeister Bernhard Schneider. Er hofft auch auf mehr Disziplin bei den Anträgen. „Oft genug reichen Planer unvollständige Unterlagen ein. Das wird sich dann hoffentlich bessern“, meint der Ortschef.

Nicht überall stößt die neue Idee auf Gegenliebe. „Wir finden, dass Bauangelegenheiten eine Kernkompetenz einer Gemeinde sind“, sagt Josef Mair, Bürgermeister von Außervillgraten. „Und die ist vor Ort besser aufgehoben.“ Außerdem fürchtet Mair Konsequenzen für die Gemeindebediensteten, wenn die Arbeit an den Bauagenden nicht mehr direkt vor Ort anfällt. „Dann müssten wir vielleicht einige Mitarbeiter auf Teilzeit zurückstufen.“

Diese Befürchtung teilt der Obertilliacher Bürgermeister Matthias Scherer nicht. „Auf den Gemeinden lastet immer mehr Arbeitsdruck und Bürokratie. Der Wegfall der Bauangelegenheiten schafft Freiheit für andere Dinge: mehr Bürgernähe, mehr Kundenfreundlichkeit.“ In weiterer Folge kann sich Scherer vorstellen, dass die neue Gemeinschaft den Gemeinden auch andere Agenden wie zum Beispiel die Lohnverrechnung abnimmt.