Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Exklusiv

Mit Kindern sicher am Berg

Wer mit Kindern die Natur erwandern will, sollte einige wichtige Grundregeln beachten. Bergrettung und Alpenverein warnen davor, die Touren zu ehrgeizig anzulegen.

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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Drei Wander­unfälle in den Alpen haben vergangene Woche für Schlagzeilen und Bestürzung gesorgt: Ein achtjähriger Bub aus Deutschland stürzte vor den Augen seiner Eltern beim Wandern in Südtirol 200 Meter in den Tod, ein ebenfalls Achtjähriger aus Deutschland überlebte in Serfaus einen Sturz über Felsgelände schwerverletzt. Und die Rettung einer Zweijährigen aus einer Felsspalte in den Schweizer Alpen nahe der italienischen Grenze forderte einen 13-stündigen Einsatz von 100 Helfern. Das kleine Mädchen aus der Schweiz überstand das Unglück schließlich ohne Verletzungen.

Ein Blick auf die Zahlen der Unfallstatistik zeigt, dass Unfälle beim Wandern oder im Klettersteig, bei denen Kinder oder Jugendliche betroffen sind, glücklicherweise relativ selten passieren. So wurden laut Daten des Kuratoriums für Alpine Sicherheit zwischen dem 1. Mai und dem 8. Oktober des heurigen Jahres beim Wandern in Tirol insgesamt 481 Personen verletzt, davon waren zehn Kinder im Alter bis zu zehn Jahren und 18 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren betroffen. Insgesamt ereigneten sich 831 Wanderunfälle, bei denen 23 Kinder bis zu zehn Jahren und 42 junge Menschen zwischen zehn und 20 Jahren involviert waren. Bei den Verletzten in Klettersteigen weist die Statistik für den Zeitraum und bei beiden jungen Gruppen jeweils nur einen Verletzten aus.

Peter Veider von der Tiroler Bergrettung rät dennoch dringend dazu, bei Wanderungen mit Kindern einige Grundregeln zu beachten: Zunächst sollte die Tour kindgerecht geplant werden und beim Wandern mit dem Nachwuchs der Weg das Ziel sein. „Das Erlebnis ist die Wanderung selbst, nicht das Erreichen eines Gipfels“, sagt Veider. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte also besser den sportlichen Ehrgeiz zu Hause lassen, um den Kleinen nicht zu viel zuzumuten. Außerdem sollte man berücksichtigen, dass Kinder schneller ermüden als Erwachsene, sich dafür aber auch schneller wieder erholen, so Veider.

Eine klare Devise gibt der Alpenverein für Erwachsene aus, die Wanderungen mit Kindern planen: „Wir begleiten die Kinder in die Berge. Nicht umgekehrt“, sagt Hanna Moser von der Alpenvereinsjugend Österreich. Daher müsse man als Erwachsener bereit sein, Abstriche bei der Tour zu machen. Was man den kleinen Bergfexen zutrauen kann, hängt laut Moser nicht vom Alter, sondern von der Erfahrung ab. Kinder, die das Wandern von klein auf mitbekommen, bewegen sich im Gelände sicherer als Gleichaltrige aus Familien, in denen weniger gewandert wird. „Wer Zweifel hat, ob eine geplante Wanderung für das Kind bewältigbar ist, sollte lieber gleich eine leichtere Tour wählen“, rät Moser. Falscher Ehrgeiz und zu hoch gesteckte Ziele seien beim Wandern generell, besonders aber bei Ausflügen mit Kindern fehl am Platz.

Obligatorisch sind gutes Schuhwerk sowie der passende Sonnen-, Wind- und Wetterschutz und ausreichend Verpflegung. Bei schwierigen Passagen kann ein Kind durchaus einmal an das Seil genommen werden. Es sollte aber nicht solche Auswüchse haben, dass Kinder während ganzer Wanderungen wie Hunde an einer Leine geführt werden, meint Moser.

Grundsätzlich rät die Expertin zur Planung von abwechslungsreichen Touren, auf denen es viel zu entdecken gibt. „Fünf Kilometer auf dem Forstweg sind für Kinder nicht besonders spannend.“