Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.10.2017


Salzburg

Streitbarer Bischof Laun bietet Rücktritt an

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun wird 75. Damit verbunden ist ein Rücktrittsgesuch an den Papst.

© APA/ERWIN SCHERIAUWeihbischof Andreas Laun (Salzburg) und Diözesanbischof Egon Kapellari (Graz-Seckau) am Montag, 24. März 2014.



Salzburg – Am kommenden Freitag, den 13. Oktober, feiert Weihbischof Andreas Laun seinen 75. Geburtstag. Mit diesem Alter verbunden ist laut Kirchenrecht ein altersbedingtes Rücktrittsangebot an den Papst. Er habe Franziskus in einem Schreiben „nicht zuletzt über meine gesundheitliche Situation informiert und um Entpflichtung gebeten“, teilte Laun der Salzburger Kirchenzeitung Rupertusblatt in einem Interview mit. Eine Entscheidung aus dem Vatikan steht noch aus.

Mit Laun zieht sich ein streitbarer Geist zurück. Im Interview zieht der gebürtige Wiener denn auch Bilanz über sein nicht immer unumstrittenes Wirken, das er auch als „Wächteramt“ verstanden habe: Als Auftrag an die Bischöfe, darauf zu achten, „was Katholiken, Theologen, Religionslehrer als die Lehre der Kirche vertreten, und gegebenenfalls sollten sie auch korrigierend eingreifen; liebevoll, argumentativ, aber auch mit Mut und Festigkeit.“

An Letzterem hat es Laun nie gefehlt, wenn er „heikle Positionen der Kirche“ verteidigte. So forderte er u. a. ein Verbot der Abtreibung, kritisierte (und kritisiert) Homosexualität, die er als „durchaus veränderbare Neigung“ bezeichnet, setzte sich gegen die Einführung des Adoptionsrechts für homosexuelle Paare ein und scheute sich auch nicht, in der Politik Position zu beziehen: Im Bundespräsidentschaftswahlkampf gab er eine Wahlempfehlung für Norbert Hofer (FPÖ) ab. Den späteren Wahlsieger Alexander Van der Bellen bezeichnete Laun als „links-extremen“ Kandidaten und „erklärten Gottes- und damit auch Kirchenfeind“, der in „allen heiklen und gefährlichen Fragen, vom Lebensschutz über die Gottesfrage bis Gender“, auf der falschen Seite stehe.

Diese fundamentalistischen Positionen brachten Laun auch unter seinesgleichen nicht nur Freunde ein, wie er im

Rupertusblatt einräumt: „Wirklich traurig bin ich über jene Niederlagen, die mir Leute der eigenen Kirche zugefügt haben. Kurz gesagt: Wenn ich als Bischof das Wächteramt ernst nahm, wurde ich nicht selten diffamiert und bekämpft.“

Andreas Laun wurde 1995 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Salzburg ernannt und von Erzbischof Georg Eder geweiht. Laun ist Bischofsvikar für die Seelsorge an Ehe und Familie und immer wieder Referent bei verschiedenen Tagungen zu diesem Thema. Der Jubilar wird seinen Geburtstag mit Freunden im portugiesischen Fatima verbringen und eine Messe feiern.

(mz, APA)