Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Bezirk Reutte

Ausbau der Pflegeplätze wird diskutiert

Bestens vernetzt sind die Pflegeeinrichtungen im Außerfern. Dennoch braucht es mehr stationäre Betten. Hier krankt es jedoch am Geld.

© TscholDie Pflege steht im Außerfern auf einem breiten Fundament. Die Führungskräfte aller Betreuungseinrichtungen präsentierten gestern die neue Info-Broschüre gemeinsam mit BR Sonja Ledl-Rossmann (5. v. l.).Foto: Tschol



Von Simone Tschol

Außerfern – „Bis zum Jahr 2030 wird jeder vierte Außerferner über 65 Jahre alt sein. Damit steht die demographische Pyramide verkehrt und wir vor großen Herausforderungen“, berichtete Aurel Schmidhofer, Obmann des Gemeindeverbandes Bezirkskrankenhaus Reutte. Um dafür bestmöglich gerüstet zu sein, wurde im Außerfern bereits vor acht Jahren ein enges Netzwerk geschaffen: die Pflegedrehscheibe Außerfern.

Derzeit gibt es im Bezirk 145 stationäre Pflegebetten. 81 davon im Haus Ehrenberg, 64 im Seniorenzentrum Reutte. Die durchschnittliche Verweildauer in den beiden Häusern beträgt rund drei Jahre. Wer einen Langzeitpflegeplatz braucht, muss mit Wartezeiten von bis zu einem Dreivierteljahr rechnen.

„30 Betten mehr könnten wir im Bezirk schon haben. Aber das ist eine Frage des Geldes und die Bürgermeister wissen, dass sie es nicht haben. Man braucht ja nicht nur Strukturen und Betten, sondern auch das Personal dazu“, konkretisiert Schmidhofer. Trotz des finanziellen Engpasses werde darüber diskutiert, ob es Sinn mache, in den Talschaften neue Langzeitbetreuungsplätze zu schaffen oder die derzeitigen Heime auszubauen. Schmidhofer: „Die Gespräche laufen. Konkretes Projekt wird derzeit aber noch keines verfolgt. Akutfälle werden, wenn nötig, bis zum Freiwerden von Kapazitäten außerhalb des Bezirkes untergebracht.“

Um den Druck von den beiden Pflegeheimen zu nehmen und ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, wurden die mobile Pflege sowie Möglichkeiten der Tages- und Kurzzeitpflege intensiviert.

Die ganze Bandbreite der Angebote findet sich in einer neuen Broschüre wieder. Diese wurde gestern im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. „Es wäre gut, wenn man sich auch ohne aktuellen Bedarf die Broschüre einmal anschaut, damit man weiß, welche Möglichkeiten einem offenstehen“, appelliert Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann an die Bevölkerung.

Auch pflegende Angehörige, noch immer eine der wichtigsten Säulen in Sachen Pflege, sollen mehr Unterstützung erfahren. Für sie wird derzeit in Zusammenarbeit von Uniklinik Innsbruck, KH Zams und BKH Reutte ein Schulungskonzept erarbeitet. Das Projekt soll Anfang nächsten Jahres starten.