Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 15.10.2017


Exklusiv

Hundekot in Futterkette verhindern

Tragischer Verlust von Kälbern in Absam: Ein Bauer musste fünf Totgeburten verkraften. Der tödliche Parasit kommt vom Hund.

© lko(Symbolfoto)



Von Alexandra Plank

Innsbruck — So einen Ausfall hatte der Absamer Bauer Arno Schafferer noch nie zu beklagen. Nach Ende der diesjährigen Almsaison kamen fünf Kälber tot zur Welt. Erst dachte der Landwirt, die Muttertiere hätten im Halltal zu viele Zirbennadeln erwischt, doch die Untersuchung der jüngsten Totgeburt durch einen Tierarzt brachte die niederschmetternde Diagnose: Der heimtückische Parasit Neospora caninum hat die Verwerfensfälle (wie das in der Fachsprache heißt) ausgelöst.

Abgesehen von dem wirtschaftlichen Verlust, den der Bauer erlitten hat, wiegt auch die emotionale Komponente schwer. „Man baut eine Beziehung zu seinen Tieren auf. Auch die Muttertiere wären fast verendet, so etwas miterleben zu müssen, wünsche ich keinem", sagt der Landwirt. Es sei traurig, dass die Ignoranz mancher Hundebesitzer derart dramatische Folgen für seine Kühe nach sich gezogen habe, sagt der Betroffene zur Tiroler Tageszeitung.

Der involvierte Tierarzt bestätigte die Vorfälle, wollte aber anonym bleiben, um nicht in den immer wiederkehrenden Schlagabtausch zwischen Bauern und Hundehaltern, die kein Sacki fürs Gacki verwenden, hineingezogen zu werden. Der Kramsacher Veterinär Peter Schweiger ließ sich den Befund im Detail schildern und erfragte auch die Umstände am Hof des Bauern. „Für mich steht mit an 100 Prozent grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Muttertiere über mit Hundekot verschmutztes Futter den Parasiten aufgenommen haben." Der Hundekot werde bei der Heu-Ernte von den Maschinen auf einer großen Fläche verteilt, die Muttertiere hätten wohl alle vom verunreinigten Heu gefressen. Auf dem Hof des Bauern gebe es keinen Hund, was ein weiterer Anhaltspunkt dafür sei, dass die Ansteckung über ein fremdes Tier erfolgt ist. Hunde sind nur Träger des Parasiten, sie weisen keine Krankheitssymptome auf (siehe unten).

Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, erklärt dazu: „Die Hundekot-Problematik begleitet uns seit Jahren. Eine Infokampagne hat zwar eine Verbesserung der Situation bewirkt, aber vielen Hundebesitzern ist die Gefahr, die von Hundekot auf Weideflächen ausgeht, noch nicht bewusst."

Es sei zu hoffen, dass sich bald etwas ändert, sagt Schweiger: „Es ist unsere Pflicht, die weitere Verbreitung des Parasiten einzuschränken. Zum Schutz unserer Haustiere und auch um wirtschaftliche Einbußen hintanzuhalten."

Hundekot in Futterkette verhindern

Innsbruck — Tierarzt Peter Schweiger erklärt, warum es so gefährlich ist, wenn Kühe verunreinigtes Futter fressen.

„Der Kot von Hunden darf nicht in die Futterkette der Rinder gelangen. Die Hundebesitzer sind angehalten, die Hunde beim Spazierengehen anzuleinen und den Kot sachgerecht zu entsorgen", erklärt er.

Nicht nur, dass säumige Hundehalter eine Grundbesitzstörung begehen, der Kot stellt auch ein allgemeines hygienisches Problem dar. Im jüngsten Fall waren die Auswirkungen aber sehr dramatisch. Hier war der Parasit Neospora caninum im Spiel.

Dieser einzellige Parasit des Hundes wird über den Kot ausgeschieden und führt bei Haustieren (Rind, Ziege, Schaf, Pferd) zu Erkrankungen. Beim Rind kann er, je nach Infektionszeitpunkt, zum Abortus oder zu einer Frühgeburt führen und es können lebensschwache Kälber zur Welt kommen. In manchen Ländern ist der Erreger die Hauptursache für Verwerfensfälle beim Rind, in Österreich tritt er immer wieder sporadisch auf. (pla)