Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


Bezirk Imst

Wildbachverbauung zur Zähmung der Naturgewalten in Imst

Den Imster Anrainern sind noch die Schreckenstage in Erinnerung, als 2016 Malch- und Fallmeralbach zu reißenden Wildbächen wurden. Mit den Verbauungsmaßnahmen scheint nun die Gefahr gebannt.

© Daum50 Tonnen Stahl wurden im neuen, gewaltigen Geschiebeauffangbecken des Fallmeralbaches in der Nähe der Imster Teilwiesen verbaut.



Von Hubert Daum

Imst – Das unheimliche Rumpeln steckt einigen Anrainern noch heute in den Knochen: Gewaltige Unwetter ließen im Sommer 2016 Rinnsale zu reißenden Bächen anschwellen, wie in Imst der Malch- und der Fallmeralbach. Während das Ausbrechen des Malchbaches, der durch den alten Stadtkern fließt, durch rasches Einschreiten mit schwerem Gerät gerade noch verhindert werden konnte, ergossen sich die Wassermassen des Falmeralbaches, der normalerweise nach Tarrenz fließt, direkt in das Imster Siedlungsgebiet.

Oberland-Chef Hubert Agerer beschreibt das Projekt.
- Daum

„Unmittelbar nach diesen Ereignissen haben wir die nötigen Sofortmaßnahmen gestartet“, erinnert sich Gebhard Walter, Chef der Tiroler Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV), der anlässlich der jährlichen WLV-Pressereise gestern mit Partnern und LHStv. Josef Geisler die erwähnten zwei Bäche besuchte und den Status Quo der Verbauungsarbeiten erläuterte. Walter: „Auch heuer wurde das Oberland nicht verschont. Wie 2016 werden wir rund 4,7 Millionen Euro in Sofortmaßnahmen investieren.“ Als Folge der Unwetter 2016 seien diese nun in Imst abgeschlossen.

Die Gefährdung durch den Malchbach ist bei Weitem keine Neuigkeit: Das erste gravierende Ereignis reicht bis ins Jahr 1851 zurück, immer wieder bedrohten Murabgänge das Siedlungsgebiet. „Die Sofortmaßnahmen mit Räumung des Gerinnes und Sanierung des Uferdeckwerkes mit einer Investitionssumme von 230.000 Euro waren rasch notwendig“, schildert Hubert Agerer, Gebietsbauleiter Oberes Inntal, den aktuellen Stand, „das wesentlich umfangreichere Gesamtprojekt werden wir im nächsten Jahr angehen.“ Immerhin transportiere der Malchbach bis zu 15.000 m³ Geschiebe in den Biger, der dies nicht weitertransportieren könne. Agerer: „Parallel dazu werden gerade die Gefahrenzonenpläne neu überarbeitet.“

Dass sich der Fallmeralbach, in „normalen“ Zeiten ein Rinnsal, zum reißenden Wildbach entwickeln kann, erlebte man auch 2016. „Es war wirklich ein gewaltiges Ereignis“, fährt Agerer fort, „immerhin hat der Bach ein Einzugsgebiet von 2,65 Quadratkilometern. Hier mussten wir eine aufwändige Sperre mit einem großen Auffangbecken errichten.“ Ein Becken mit dem Fassungsvermögen von rund 25.000 Kubikmetern, 50 Tonnen verbautem Stahl und einem Investitionsvolumen von 730.000 Euro. Das Projekt Fallmeralbach ist bereits abgeschlossen.

Wildbach-Chef Gebhard Walter erläutert LHStv. Josef Geisler (r. o.) die Maßnahmen am Malchbach.
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„Hundertprozentige Sicherheit können wir nie garantieren“, ergänzt LHStv. Josef Geisler, „wenn trotz aller Schutzmaßnahmen etwas passiert, ist es wichtig, dass Schutzbauten so schnell wie möglich wiederhergestellt oder neu errichtet werden.“ Und man sei auch dabei, die Schutzbauten, die in die Jahre gekommen sind, sukzessive zu erneuern. Die WLV Oberes Inntal ist für 558 Wildbäche und 913 siedlungsrelevante Lawinen zuständig.




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