Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


Gesellschaft

Kleine Spende, große Wirkung: Hilfe aus Tirol für Blinde in Afrika

Chris Lohner und der Tiroler Franko Petri waren vor wenigen Wochen in Afrika, um blinden Menschen zu helfen. Basis dafür sind viele Spenden – auch aus Tirol.

© PetriChris Lohner war als ehrenamtliche Botschafterin kürzlich in Mosambik.



Innsbruck – Seit Jahrzehnten ist Chris Lohner den Menschen in Österreich bekannt, stets mit gewinnendem Lächeln und der rot gefärbten Pagenfrisur als Markenzeichen. Die ehemalige ORF-Moderatorin ist allen ÖBB-Zügen via Lautsprecheransagen im Ohr und als Autorin aktiv. Was nur wenige wissen: Lohner engagiert sich für blinde Menschen in Afrika. Gemeinsam mit dem Tiroler Franko Petri und der Hilfsorganisation „Licht für die Welt“ reiste sie vor wenigen Wochen zum ersten Mal in eine der Projektregionen nach Mosambik.

Ihr Engagement hat einen sehr persönlichen Hintergrund: „Ich bin selber an beiden Augen am grauen Star operiert. Wäre ich in Afrika geboren, ich wäre bereits seit Jahrzehnten blind oder würde nicht mehr leben.“ Ehrenamtlich setzt sich Lohner als Botschafterin für die Millionen blinden Menschen in Afrika ein, die aufgrund von grauem Star ihr Augenlicht verloren haben. „Jeder zweite blinde Mensch in Afrika leidet an dieser Linsentrübung. Aber was mich nicht ruhen lässt: Jeder am grauen Star erblindete Mensch kann mittels einer 15-minütigen Augenoperation um durchschnittlich 30 Euro das Augenlicht zurückerlangen, oft nach jahrelanger Blindheit“, sagte Lohner. Mit ihr unterwegs war diesmal auch der in Innsbruck aufgewachsene Mitarbeiter von Licht für die Welt, Franko Petri. „Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie es Chris Lohner um das Schicksal und das Wohlergehen jedes einzelnen Patienten geht und wie sie sich seit Jahren für die Ärmsten der Armen in Afrika einsetzt“, sagte Petri. Der Tiroler absolvierte bereits zahlreiche Projektreisen, unter anderem nach Nordostindien oder Burkina Faso. Projekte, die mit Spenden auch von Tausenden Tirolern finanziert wurden.

In Mosambik begegnete man Ines Iomo Joao. Die 72-Jährige erzählte, wie ihre Augen über Jahre immer trüber wurden, bis sie vor einigen Monaten dann gar nicht mehr sehen konnte. An ihrer Seite saß ihre Tochter Luisa (48), die alles tut, um ihrer Mutter ein menschenwürdiges Weiterleben zu ermöglichen. Doch es regiert der Hunger, die Felder müssen bestellt werden und die Pflege eines blinden Menschen bindet Kräfte. Eine schwere Zeit für die Familie. Doch dank der Hilfe aus Österreich sollte sich bald vieles ändern. Im Augenzentrum in Beira, der Hauptstadt der Provinz Sofala, operierte ein Arzt die Frau noch am selben Abend. Am nächsten Morgen, beim Besuch der österreichischen Delegation, nimmt man ihr dann die Augenbinden ab. Ines blinzelte benommen in die ihr so fremd gewordene Welt. Binnen Sekunden brach sie in Tränen aus, lachend, die Menschen um sich betastend, und als sie dann Lohner und Petri umarmte, flossen überall die Tränen.

Nach der Operation gab es Freudentränen bei Ines (l.) und ihrer Tochter.
- Petri

Im Dorf, bei der Rückkehr der Frau, wurde die Operation gar als „Wunder“ gefeiert. Ines sagte: „Gestern war ich noch im Gefängnis, heute bin ich wieder ein Mensch.“ Der Dank der Frau gilt all jenen Unterstützern aus Tirol, die diese und andere Operationen am grauen Star mit einer Spende ermöglichen. (TT)