Letztes Update am Fr, 20.10.2017 12:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tadschikistan

Listen und Tests: Feldzug gegen Homosexuelle in Tadschikistan

Die Behörden in Tadschikistan lassen Homosexuelle registrieren und auf „sexuell übertragbare Krankheiten“ untersuchen. Experten und Aktivisten schlagen Alarm. Der erzkonservative Staat ist nicht der erste, der unter fadenscheinigen Vorwänden gegen die Minderheit vorgeht.

(Symbolfoto)

© AFP(Symbolfoto)



Duschanbe – Offiziell ist es eine Maßnahme, um die „Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten“ zu vermeiden. Inoffiziell wird es als Feldzug gegen gleichgeschlechtlich Liebende gesehen: Die Behörden im zentralasiatischen Tadschikistan erfassen die Namen der angeblich schwulen und lesbischen Bürger des Landes. Das berichtet der Standard am Freitag online.

Demnach umfassen die Listen der Behörden bereits 367 Einträge. Doch dem nicht genug: Jene Menschen, die auf den Listen stehen, müssen Tests über sich ergehen lassen, um die eingangs erwähnte Verbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu vermeiden. Indem man die Identität der Homosexuellen im Land kennt, soll laut offizieller Version auch deren Sicherheit erhöht werden.

Experten und Aktivisten schlagen Alarm

An die Namen gekommen sein wollen die Behörden durch gezielte Recherche in der Homosexuellen-Community. Deren Vertreter, Experten und Aktivisten schlagen nun allerdings Alarm und sehen in der behördlichen Registrierungs-Aktion eine bewusste Razzia gegen die Minderheit. Sonderlich akzeptiert sind gleichgeschlechtlich liebende Menschen in dem muslimisch geprägten und erzkonservativen Land jedenfalls nicht. Zwar ist gleichgeschlechtlicher Sex seit 1998 per Gesetz erlaubt, die Bevölkerung steht dem Thema laut Standard aber ablehnend gegenüber. Erst 2014 hatte der oberste muslimische Geistliche des Landes in der Moschee in Duschanbe Homosexualität als „unheilvoll“ verdammt.

Im benachbarten Aserbaidschan ist die Lage laut dem Bericht nicht besser. Zwar sei auch dort einvernehmlicher Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern oder zwei Frauen legal, dennoch wurden Ende September 83 mutmaßliche Homosexuelle bei einer Razzia in Baku zusammengetrieben und verhaftet. Der offizielle Grund lautete auch dort damals: Man wolle die Menschen auf „Haut- und Geschlechtskrankheiten untersuchen“. Menschenrechtsorganisation berichten von Folter der Inhaftieren durch Polizisten und Degradierungen. Auf internationalen Druck hin wurden die Gefangenen erst Anfang Oktober wieder entlassen.

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Auch in der russischen Teilrepublik Tschetschenien ist die Lage nicht besser. Zuletzt hatten Berichte über die angebliche Hinrichtung Dutzender Homosexueller für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Die kremlkritische Zeitung Nowaja Gaseta veröffentlichte die Namen von 27 jungen Männern, die ohne Anklage von der Polizei festgenommen und in der Nacht zum 26. Jänner getötet worden sein sollen. Republikchef Ramsan Kadyrow wies sämtliche Anschuldigungen der internationalen Gemeinschaft zurück. In einem Interview mit dem US-Sender HBO sagte Kadyrow gar: „Bei uns gibt es solche Leute gar nicht. Wir haben keine Schwulen. Und wenn es sie gibt, nehmt sie mit nach Kanada, weit weg von uns, damit unser Blut gesäubert wird.“

Auf Homosexualität steht vielerorts die Todesstrafe

In vielen Teilen der Welt ist Homosexualität nach wie vor illegal. Weltweit wird Homosexualität in 78 Ländern strafrechtlich verfolgt, allein auf dem afrikanischen Kontinent sind es 37 Staaten. In fünf Staaten (Mauretanien, Sudan, Iran, Saudi-Arabien und Jemen) sowie in Teilen Nigerias und Somalias steht die Todesstrafe auf homosexuelle Handlungen. (reh)


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