Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.11.2017


Osttirol

Anni Kratzer erhält den Ehrenring der Stadt Lienz

Die Gründerin, Obfrau und Seele der Leukämie- und Kinderkrebshilfe Osttirol ist die erste Frau, der diese hohe Auszeichnung zuteilwird.

© BlassnigHelfen wurde nach Schicksalsschlägen in der eigenen Familie zu ihrem Lebensmittelpunkt: Anni Kratzer wird für ihre Verdienste geehrt.Foto: Blassnig



Von Claudia Funder

Lienz – Einige Wochen dauert es noch bis zum großen Tag. Maß für den Ehrenring, der für jeden Träger größenmäßig individuell gefertigt wird, wurde bereits genommen. Anfang 2018 wird es dann so weit sein, „am 11. Jänner“, verrät Anni Kratzer, auf die eine hohe Auszeichnung wartet. Sie bekommt den Ehrenring der Stadt Lien­z überreicht und ist damit gleichzeitig die erste Frau, der diese besondere Wertschätzung hier zuteilwird.

Die Katze aus dem Sack hatte Bürgermeisterin Elisabeth Blanik bei der großen Benefizgala im Stadtsaal anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Leukämie- und Kinderkrebshilfe Osttirol gelassen, bei welcher der Spendentopf des Vereins wieder kräftig aufgefüllt wurde. Im vollen Saal teilte die Stadtchefin gleich zu Beginn des Events mit, dass Anni Kratzer für ihre besonderen Verdienste und ihr unermüdliches Engagement den Ehrenring erhalten wird. Der Gemeinderat habe dies einstimmig beschlossen.

„Ich war schockiert“, erinnert sich Anni Kratzer an den Moment, in dem sie von der Auszeichnung erfuhr. „Es gibt viele andere Menschen, die so viel mehr tun als ich“, räumt sie mit bekannt ausgeprägter Bescheidenheit ein. Aber die Würdigung berührt sie: „Ich werde den Ehrenring annehmen, für den Verein, im Namen meiner Mitarbeiter. Ich freue mich für uns alle.“

Die 78-Jährige macht sich seit Langem für Schwerkranke und deren Familien stark. Vor 20 Jahren rief sie die Leukämiehilfe, im Folgejahr auch die Kinderkrebshilfe Osttirol ins Leben. Seitdem bieten sie und ihr Team Betroffenen und Angehörigen finanzielle und praktische Unterstützung, begleiten sie aber auch mit viel Empathie. In belastenden Ausnahmesituationen Hoffnung und Halt geben – das ist Anni Kratzers Credo.

Zu den vielen Vereinsaufgaben, die das Karussell zwischen Bangen und Hoffen der Betroffenen ein Stück weit erträglicher machen, zählt auch die Suche nach Knochenmark- und Stammzellspendern. Für Schlagzeilen und eine Welle der Solidarität sorgte die großdimensionierte Typisierungsaktion im März, bei der in Lienz Spender für den kleinen Max gesucht wurden, der zum Überleben dringend eine Stammzellentherapie braucht – die TT berichtete. 1200 Personen gaben damals ihre Speichelprobe ab. Weitere 1800 wurden, weil das Testmaterial aufgebraucht war, nachgemeldet und bekamen Unterlagen und die Röhrchen für die Probe zugeschickt.

Für Max war bislang leider noch kein passender Spender dabei, aber unter den 1200 Personen, die sich in Lienz typisieren ließen, gab es einen Treffer für einen anderen schwerkranken Patienten. „Die Spende fand bereits statt“, freut sich Kratzer.

Die Hoffnung für den kleinen Max lebt unvermindert weiter. „Es geht ihm derzeit überraschend gut“, weiß Kratzer. „Vielleicht hat er doch noch etwas länger Zeit als ursprünglich angenommen.“

Bis Weihnachten sind bundesweit weitere sieben Aktionen geplant. Wo kann man sich registrieren lassen? Am 4. November in Schwarzach und Haidershofen, am 7. November in Marienberg, am 11. November in Moosburg, am 18. November in Kaprun, am 8. Dezember in Landeck und am 9. Dezember in Inzing.

„Es muss ein passender Spender für Max dabei sein“, sagt Anni Kratzer und ergänzt: „Ich glaube fest daran.“