Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Bezirk Schwaz

Aufwändiger Schiffstransport gelang

Das fast 60 Jahre alte Achenseeschiff „St. Benedikt“ bekommt als Spielschiff in der regionalen Freizeitanlage in Buchau eine neue Funktion. Der symbolische Kaufpreis lag bei einem Euro. Jetzt wird das Schiff saniert.

© ZwicknaglDas Schiff "St. Benedikt" vor der Freizeitanlage "Atoll".



Von Walter Zwicknagl

Seespitz – Heftig läutete die Schiffsglocke, als sich das alte Achenseeschiff „St. Benedikt“ auf seiner letzten Fahrt am Donnerstag dem Landungssteg Seespitz näherte. Zuvor steuerte Kapitän Christian Obrist die Freizeitanlage „Atoll“ an. Denn dort bekommt das 31,4 Meter lange und 5,5 Meter breite Motorschiff eine neue Funktion. Es wird zum Spielschiff, wie Bürgermeister Sepp Hausberger (Eben) schon vor Monaten angekündigt hatte.

An Land wurde dann die rechtliche Seite des Deals zwischen Tiwag als Betreiber der Schiffahrt und der Gemeinde unter Dach und Fach gebracht. Genau einen Euro musste BM Sepp Hausberger für das Schiff, das einst 2,8 Millionen Schilling gekostet hatte, lockermachen. Die Konzession war für den Oldtimer Ende 2016 erloschen. „Nur die Schiffsglocke und der Windstern bleiben als Erinnerungsstücke bei der Achenseeschiffahrt“, sagte Kapitänin Daniela Neuhauser.

Schon Stunden zuvor war mit dem Aufbau von zwei 350-Tonnen-Kränen begonnen worden. „Das ist eine tolle Sache und nicht alltäglich“, lachte Wolfgang Janker, einer der Kranführer, der dann mit einem Kollegen mit viel Gefühl das 80 Tonnen schwere Schiff aus dem Wasser hob. Und es war ein eigenartiges Bild, als das Schiff über der Pertisauer Landesstraße schwebte und dann das Ruderblatt und die Schiffsschraube von einem Schweißer vom Rumpf getrennt wurden. Per Tieflader wurde „St. Benedikt“ während der Nachtstunden in das Freizeitzentrum „Atoll“ gebracht. Für den Lkw-Fahrer und die Begleitmannschaft war es Millimeterarbeit, um den Kreisel im Mauracher Zentrum zu bewältigen. Am Morgen bekam das Schiff dann seinen endgültigen Standplatz. „Dort ist das Schiff gut aufgehoben“, vermerkt Albert Bichler als Kapitän und Betriebsleiter der Achenseeschiffahrt.

Einen Euro übergab BM Sepp Hausberger an Daniela Neuhauser.
- Zwicknagl

Noch Anfang Oktober gab es im Gemeinderat in Eben Diskussionen um das künftige Spielschiff. Mit der genannten Summe – die Rede war von Kosten in der Höhe von fast 342.000 Euro – könne man einen Spielplatz der anderen Art errichten, hieß es. Auch hohe Wartungskosten waren Argumente gegen diese Anschaffung. „Ein Motorikpark, von dem auch die Rede war, würde 400.000 Euro kosten. Das wäre aber kein Kinderspielplatz“, erklärte der Gemeindechef. Mit TÜV-Experten habe man die Tauglichkeit des Projektes Spielschiff überprüft. „Ich bin von der Einmaligkeit dieses Projektes überzeugt“, stellte BM Hausberger gestern fest. Mit zehn Pro-Stimmen, vier Gegenstimmen und einer Stimmenthaltung fiel im Gemeinderat die Entscheidung für das Spielschiff.

Wie schaut der Fahrplan für die künftige Freizeitanlage „Atoll“ aus? „80 Prozent der Aufträge sind vergeben. Der Rohbau wurde im Juni fertig, im April des kommenden Jahres könnte der Probebetrieb gestartet werden“, weiß Geschäftsführer Andreas Brix. Die Kosten für dieses Großprojekt der Achenseegemeinden und des Tourismusverbandes am Südostufer des Sees belaufen sich auf rund 18,5 Millionen Euro.

Das Schiff wurde aus dem Wasser gehoben.
- Zwicknagl