Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.11.2017


Osttirol

Neue Gemeinschaftspraxis Defereggen ist auf Schiene

Der Gemeinderat St. Jakob gab grünes Licht für einen Neubau. Dort soll alles Nötige von der Diagnostik bis zum Heli-Landeplatz verfügbar sein.

© OblasserGernot Walder, Obmann des Notarztverbandes Osttirol, errichtet in St. Jakob eine neue Gemeinschaftspraxis.



Von Catharina Oblasser

St. Jakob – Bis 2019 will der Notarztverband Osttirol die neue Gemeinschaftspraxis in St. Jakob im Defereggen in Betrieb nehmen. Das sagt Gernot Walder, Obmann des Verbandes, Allgemeinmediziner und Notarzt. Der erste Schritt ist getan. Der Gemeinderat von St. Jakob beschloss in seiner jüngsten Sitzung, das notwendige Grundstück dafür zu verkaufen. „Der Grund befindet sich etwas außerhalb des Dorfes, neben dem Fußballplatz“, informiert der St. Jakober Bürgermeister Ingo Hafele. Für die Zufahrt zum Grundstück braucht es noch einen offiziellen Beschluss der Agrargemeinschaft, die dort zuständig ist.

In St. Jakob ordinieren fünf verschiedene Mediziner, die gemeinsam die medizinische Versorgung rund um die Uhr gewährleisten. Zurzeit arbeiten sie in der einstigen Praxis des mittlerweile pensionierten Gemeindearztes im Ort. Warum die Gemeinschafts-praxis am Ortsrand neu gebaut werden soll, begründet Notarztverbands-Obmann Walder mit dem großen Umfang, den die Praxis in Zukunft haben soll.

Neben zwei „normalen“ Behandlungsräumen wird es eine Einheit für die Akutversorgung und für kleine Eingriffe geben, außerdem Räume für Röntgen, Ultraschall und Labordiagnose. Damit die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft für Einheimische und Touristen leichter fällt, gibt es auch Wohnräume für die diensthabenden Ärzte. „Und es ist uns natürlich besonders wichtig, dass alles barrierefrei ist“, nennt Walder einen weiteren Grund für den Neubau.

Was noch dazukommt und am jetzigen Standort nicht möglich wäre: Neben der neuen Gemeinschaftspraxis ist ein Landeplatz für einen Hubschrauber geplant. „Wir können mit unserer Praxis zwar eine gute Primärversorgung sicherstellen“, sagt Walder. „Aber manchmal ist eine möglichst rasche Überstellung in ein Spital nötig. Zum Beispiel: Nach einem Herzinfarkt muss der Patient so bald wie möglich an einen Herzkatheter. Da St. Jakob recht abgelegen ist, wird ein Transport in der Luft ratsamer sein als ein bodengebundener.“ Der künftige Heli-Landeplatz steht auch der Gemeinde St. Jakob zur Verfügung, meint der Mediziner. „Zum Doktor gehen“ kann man in der neuen Praxis trotz der notfalltechnischen Ausweitung weiterhin – ob es um ein Kind mit Halsweh oder eine Verstauchung geht.

Neben dem Defereggen betreut der Notarztverband Osttirol auch das Puster- und das Iseltal. Gernot Walder selbst hat eine Praxis in Außervillgraten, die er weiter betreiben wird. Dennoch sei es Zeit, auch für das Pustertal eine neue Möglichkeit der medizinischen Versorgung rund um die Uhr zu überlegen. „Es gibt, wie überall, Pensionierungen von Ärzten. Da suchen wir nach einer nachhaltigen Lösung.“