Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.11.2017


Innsbruck

Bittere Pille für Apotheke bei der SoWi

Die SoWi-Apotheke in Innsbruck muss mit Jahresende schließen. Dem ging ein jahrelanger Konkurrenzstreit mit der Stadtapotheke voraus.

© DomanigNach über 18 Jahren muss Elisabeth Wieser die SoWi-Apotheke mit 31. Dezember schließen. Neun Angestellte sind davon betroffen.



Innsbruck – Heute vor 18 Jahren erteilte das Gesundheitsministerium der Innsbrucker SoWi-Apotheke im Bereich des neuen Universitätsviertels endgültig die Konzession. Vorausgegangen waren Beschwerden von anderen Apotheken, die Einbußen befürchteten. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Es geht wie immer um die komplizierte Berechnung des Einzugs- und Versorgungsgebiets. Durch eine neue Apotheke darf sich die Zahl von 5500 Personen nämlich laut Gesetz nicht verringern.

Zweimal wurde die Konzession für die SoWi-Apotheke verlängert, zuletzt hat sie die Stadt 2013 mit der Fortführung betraut – bis zur endgültigen Entscheidung der Höchstgerichte. Denn gegen den Bescheid des Gesundheitsministeriums regte sich von der alteingesessenen Stadtapotheke in der Innsbrucker Herzog-Friedrich-Straße erneut Widerstand. Und diesmal ein erfolgreicher.

Gestützt auf ein neues Gutachten der Apothekerkammer auf Basis einer Studie der Technischen Universität Wien entschied das Landesverwaltungsgericht Tirol, dass die Stadtapotheke in ihrer Existenz gefährdet sei. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Beschwerde der SoWi-Apotheke dagegen im September ab. Für die Inhaberin der SoWi-Apotheke, Elisabeth Wieser, bedeutet dies das Aus mit Jahresende. Sie kann sich allerdings nur wundern: „Die Praxis der letzten 18 Jahre hat gezeigt, dass keine der umliegenden Apotheken durch die SoWi-Apotheke in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht wurde.“ Irritiert ist Wieser vor allem über das neue Gutachten, das aus ihrer Sicht die Tagestouristen gar nicht berücksichtige und die allgemeinen Touristenzahlen nicht ausreichend gewichte. So hätte die Apothekerkammer zum Beispiel ermittelt, dass eine Apotheke in Pradl mehr Touristen zu versorgen habe als die Stadtapotheke. „Absurd – niemand, der die Innsbrucker Altstadt kennt, wird das nachvollziehen können.“

Betroffen von der Schließung sind neun Angestellte, Kritik an der „weltfremden Entscheidung“ wird laut. Schließlich sei die SoWi-Apotheke ein wichtiger Nahversorger im Universitätsviertel samt Polizeidirektion und städtischen Heimen. Elisabeth Wieser hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Vielleicht gelingt es uns mit einem neuen Antrag, das Gutachten der Apothekerkammer auszuhebeln.“ (md, pn)