Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Bezirk Schwaz

Benediktiner mit viel Talent zur Menschenführung

Der bescheidene Mönch Anselm Grün aus Münsterschwarzach verfasste über 300 Bücher und stand in Rotholz Rede und Antwort.

© ZwicknaglPater Anselm Grün begeisterte mehr als 400 Zuhörer in Rotholz.



Von Walter Zwicknagl

Rotholz – Die Botschaft des Benediktinerpaters Anselm Grün aus Münsterschwarzach bei Würzburg ist einfach, lebensnah und kommt an. Und das bestätigten Hunderte faszinierte Zuhörer im Festsaal der Landeslehranstalt Rotholz, als er zum Thema „Wie wir leben – wie wir leben könnten!“ sprach. „Wir haben schon vor Jahren um einen Termin für ein Referat angefragt. Das Warten hat sich aber gelohnt“, sagen Georg Eder als Obmann und Peter Grünbichler, der Geschäftsführer des Rotholzer Absolventenvereins.

„Tirol kenne ich schon ein wenig. Schließlich mache ich mit meinen Geschwistern im Zillertal Urlaub“, schmunzelt Pater Anselm, der im Jahr rund 200 Vorträge hält und erst im September in Taiwan und Singapur vor großem Publikum referierte. Derzeit arbeitet er an drei Büchern, die sich mit der Zufriedenheit, den sieben Todsünden und dem Dialog mit dem Islam befassen. „Da arbeite ich mit einem Islam-Wissenschafter zusammen“, erzählt er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Mehr als 300 Bücher von Pater Anselm Grün sind schon erschienen, die Gesamtauflage dürfte bei 20 Millionen Exemplaren liegen, wie der bescheidene Benediktinerpater, der Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaft studiert hat, verrät.

Wer sich von ihm einen hochtheologischen Vortrag erwartet, dürfte enttäuscht sein. Achtsam, ehrfürchtig und authentisch zu leben, barmherzig und dankbar zu sein, gelassen und genügsam zu sein, riet er. Wichtig sei die Befähigung, Entscheidungen zu treffen, wenn es auch keine absolut richtige Entscheidung geben würde. „Ich muss nicht ständig die Erwartung anderer erfüllen“, meinte er zum Punkt „maßvoll leben“. Viele Menschen wären ständig dabei, ihr Leben zu verändern. „Aber es ändert sich nichts, weil sie sich selbst ablehnen. Die christliche Antwort ist Verwandlung. Ich würdige mein Leben, so wie es ist. Haltungen, wie sie uns Philosophen und Theologen seit über 3000 Jahren empfehlen, können ein guter Weg sein, inneren Halt zu finden und von diesem Halt aus das Leben mit Zuversicht und zugleich mit Lust zu gestalten“, ist eine seiner Botschaften. Und diesen Standpunkt vertritt Pater Anselm auch in jährlich 35 Kursen für Führungskräfte.

Ganz in seinem Element ist der 72-jährige Benediktinerpater, wenn er von Vorträgen im Ausland erzählt. „In Taiwan habe ich in zwei Wochen 40 Vorträge gehalten“, sagte er, bevor er sich mit seinem Auto auf die dreieinhalbstündige Heimfahrt nach Münsterschwarzach aufmachte. Im Gepäck hatte er ein Buch über die Priesterlegende Kaplan Ludwig Penz, der Jahrzehnte in Rotholz segensreich gewirkt hat und im Jahr 2013 knapp vor seinem 100. Geburtstag verstorben ist.

Geschäftsführer Peter Grünbichler vom Rotholzer Absolventenverein mit Pater Anselm Grün, Direktor Josef Norz (LLA Rotholz) und Obmann Georg Eder (von links).
- Zwicknagl