Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.11.2017


Osttirol

Gemeinsamer Forscherblick über den Gartenzaun

Lienzer Schüler nehmen Schulter an Schulter mit Wissenschaftern der BOKU Wien bäuerliche Hausgärten Osttirols genau unter die Lupe.

© Christian R. Vogl



Von Claudia Funder

Lienz – „Sparkling Science“ (zu Deutsch „Begeisternde Wissenschaft“) nennt sich ein Programm des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, das auf echte Partnerschaft zwischen Schülern, Lehrern und Wissenschaftern setzt. Es erlaubt jungen Menschen, schon früh nicht nur in das spannende Feld der Forschung hineinzuschnuppern, sondern aktiv an aktuellen Fragen mitzuarbeiten. Entsprechend begehrt ist es für Schulen, ein solches Projekt an Land zu ziehen. 2017 wurden 240 Anträge eingebracht, nur 38 wurden nach Durchlauf einer gestrengen Begutachtung genehmigt.

Freuen kann man sich in Lienz. Grünes Licht wurde für das Projekt „Homegrown – There’s nothing like a homegarden!“ des Gymnasiums gegeben, das bäuerliche Hausgärten Osttirols unter die Lupe nimmt. Schüler der 6B-Klasse und ein Lehrerteam arbeiten Seite an Seite mit Wissenschaftern der BOKU Wien und Naturraumplanern des Osttiroler Büros Revital.

Der Biologielehrerin Renate Hölzl, die das Projekt nach Lienz holen konnte, sind nicht nur die Nachhaltigkeit und die Erhaltung der Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten ein Anliegen, sondern auch Bewussteinsbildung und Vermittlung von Fakten: „Zu diesen Themen dann auch im Gym mit Schülern, Wissenschaftern und anderen Osttiroler Akteuren zusammenarbeiten zu können, war immer mein großer Wunsch.“

Erste Workshops in der Schule gab es bereits. Die eigentliche Forschung im „Feld“ startet im Juni mit Vegetationsbeginn, verrät der Projektleiter der BOKU, Christian R. Vogl, im Gespräch mit der TT. 196 Osttiroler Gärten waren bereits 1998 von seiner Gattin Brigitte Vogl-Lukasser detailliert untersucht und kartiert worden. Mindestens 72 von ihnen werden nun erneut ins Visier genommen, erklärt der Wissenschafter. Diese Ergebnisse werden in der Folge mit den 20 Jahre zurückliegenden Daten verglichen. Erhoben wird, was sich in den Gärten verändert hat, bei den Pflanzen und bei der Bewirtschaftung. Was blieb? Was verschwand? Was kam neu hinzu? Und warum? Spannenden Fragen wie diesen wird gemeinsam nachgegangen.

Wie reagieren die Besitzer? „Die Gärtner freuen sich unglaublich, wenn man mit ihnen darüber redet“, weiß Vog­l. Die Bewirtschaftung dieser kleinen Flächen sei fast ausschließlich Frauensache und nicht marktorientiert. Das wissenschaftliche Interesse wird von den Besitzern fast durchwegs als Ausdruck der Wertschätzung verstanden, betont Vogl. Auch die Wahrnehmungen der Gärtner fließen in das Projekt ein.

Die Schüler sind in den gesamten Forschungsprozess, mit Rücksicht auf Neigungen und Ressourcen, integriert. Sie können im Zuge des Projektes auch vorwissenschaftliche Arbeiten verfassen. Das Projekt ist in mehrere Unterrichtsfächer eingebettet. Die Schüler werden auch in das wissenschaftliche Denken eingeführt und lernen die in der Forschung üblichen Kommunikationstechniken kennen. Am Ende des Projektes, 2019, werden sie ein Video über ihre Arbeit präsentieren.