Letztes Update am Do, 23.11.2017 08:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Technologie

Umrüstung auf LED führt zu mehr Lichtverschmutzung

Auf der Erde wird es immer heller: Der Umstieg auf LED-Technologie führt laut einer Studie zu mehr Lichtverschmutzung. In Österreich habe es zwischen 2012 und 2016 einen Anstieg der Lichtabstrahlung von 50 Prozent gegeben. Experten warnen vor Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier, denn die nächtliche Beleuchtung bringe den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander.

© Symbolbild



Potsdam – Preiswert und effizient in der Lichtausbeute: Der Siegeszug der LED ist nicht mehr aufzuhalten. Straßen und Plätze, Wohngebäude und Stadtwerbungen, aber auch Dekorationen gerade zur Weihnachtszeit sind taghell erleuchtet und können auf LED nicht verzichten. „Viel zu viel Licht, was nicht immer notwendig ist“, sagte der Wissenschafter Christopher Kyba vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam.

Umrüstung bringt mehr Lichtverschmutzung

Unter seiner Leitung entstand eine im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichte, internationale Studie, nach der die Umrüstung auf LED-Beleuchtung zu steigender Lichtverschmutzung führt. Kommunen, Unternehmen und Haushalte, die auf LED (Light Emitting Diodes) umsteigen, wollten zunächst sparen. Doch oft verkehre sich das ins Gegenteil, wenn dann das Geld für weitere und noch hellere Lampen ausgegeben werde, sagte Kyba.

Während Glühbirnen eine Lebensdauer von 1000 Stunden haben, können LED-Lampen bis zu 100.000 Stunden strahlen. Die neue Lampen-Generation ist auch beim Energieverbrauch überlegen, doch dafür relativ teuer.

Umrüstung bringt auch in Österreich mehr Lichtverschmutzung

Neue Satellitenaufnahmen belegen jetzt die Befürchtung, dass es auf der Erde immer heller wird. Die Forscher haben die Entwicklung der Lichtabstrahlung von 2012 bis 2016 verfolgt. Dabei habe die Intensität des künstlichen Lichts und die Größe der beleuchteten Fläche zugenommen, berichtete Kyba. Seit 2012 seien es weltweit rund zwei Prozent pro Jahr, heißt es in der Studie. Global betrachtet sei das Maß des Anstiegs der künstlichen Beleuchtung mit dem Wachstum des Bruttosozialproduktes verknüpft, so Kyba.

In Österreich habe es von 2012 bis 2016 im Schnitt einen Anstieg der Lichtabstrahlung von etwa 50 Prozent gegeben, interpretierte der Astronom Günther Wuchterl auf Anfrage der APA die für Österreich gemessenen und im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Daten.

Im Vergleich zu den meisten anderen in der Studie erfassten Länder weise Österreich ziemlich starke Anstiege auf, sagte Wuchterl, der die Kuffner-Sternwarte in Wien leitet und seit Jahren gegen die Lichtverschmutzung kämpft.

Künstliche Beleuchtung irritiert Tag-Nacht-Rhythmus

„Beim Menschen kann das Licht sogar die Innere Uhr durcheinanderbringen“, sagte Franz Hölker, Projektleiter beim Forschungsverbund Verlust der Nacht. LED-Licht am Abend gaukle dem Körper vor, es sei bereits Tag, der Rhythmus komme durcheinander. Lichtverschmutzung wirkt sich auch auf nachtaktive Tiere aus, die sich nur schwer orientieren können. Es müsse über nachhaltigere Formen der Verwendung des Lichts nachgedacht werden, meinte Hölker: „Wo ist wie viel in welcher Intensität erforderlich.“

Die Kommunen haben derzeit vor allem Einsparungen an Kosten, Energie und CO2 im Blick, wenn sie sich für LED entscheiden, betonte Friedrich Henckel, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls Stadt- und Regionalökonomie an der Berliner Technischen Universität. „Es fehlt oftmals die Kompetenz und das Know-how, um auch die Qualität des Lichtes zu bewerten.“ Es müsse Lichtplanungsprojekte geben, in denen Sozialwissenschafter, Planer und auch Naturschützer zusammenarbeiten. An Ort und Stelle sollten sie das Thema gemeinsam angehen.

Kyba sieht Möglichkeiten, dank moderner LED-Technik die Lichtemission um zwei Drittel zu senken, ohne dass Menschen es dunkler empfinden. Er sehe ein großes Potenzial bei der LED-Revolution. Kyba: „Wir müssen aber lernen, es maßvoll und punktgenau dann einzusetzen, wenn es notwendig ist.“ (APA/ TT.com)