Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.11.2017


Tirol

Krampusläufe in Tirol: Schaurig, aber sicher soll es sein

Die Veranstalter versuchen, brutales Verhalten bei Krampusläufen zu verhindern.

Der Krampuslauf in Haiming gilt als eine der schönsten, größten und traditionsreichsten Veranstaltungen dieser Art in Tirol.

© Krampusgruppe HaimingDer Krampuslauf in Haiming gilt als eine der schönsten, größten und traditionsreichsten Veranstaltungen dieser Art in Tirol.



Innsbruck – Sie treiben wieder ihr Unwesen – welches von vielen gefürchtet und gerade deshalb so geliebt wird. Krampusse und Perchten haben aktuell in Tirol Hochkonjunktur. Mehrere Zwischenfälle aus Kärnten, wo betrunkene Perchten einige Passanten verletzt haben, werfen aber auch hierzulande einen Schatten auf die Brauchtumsveranstaltungen. Die Organisatoren beschwichtigen: Die Sicherheitskonzepte seien erprobt.

Als einer der größten, schönsten und traditionsreichsten Tiroler Krampusläufe gilt jener in Haiming. Am 3. Dezember jagen wieder bis zu 100 Krampusse durch die Gassen des Oberländer Marktes. Die Grundlage für das Sicherheitskonzept ist denkbar einfach: „Bei uns laufen nur Haiminger mit. Weil wir Angst haben, dass andere Gruppen über die Stränge schlagen“, erklärt Simon Wegleiter von der Krampusgruppe Haiming. „Unsere Larven sind alle einzigartig, jeder kennt jeden. Wenn einer Mist baut, braucht er gar nicht wiederkommen.“ Die Diskussion rund um gewalttätige Krampusse lasse ihn nicht kalt. „Es ist bekannt, dass einige sich nicht kon­trollieren können. Wenn es als Reaktion darauf Verbote gibt, schadet das allen.“

Der wohl ursprünglichste Brauch ist das „Klaubaufgien“ in Matrei in Osttirol. Im Gegensatz zu den Krampusläufen im restlichen Tirol gibt es hier keine angemeldeten Gruppen. Theoretisch kann sich jeder eine Larve aufsetzen und durch das Dorf ziehen. Traurige Berühmtheit erlangte das mehrtägige Treiben, als 2013 ein 15-Jähriger von einem der „Klaubaife“ zu Boden gestoßen und schwer am Kopf verletzt wurde. Daraufhin wurde ein Amtsblatt mit Richtlinien und einem Appell an die Teilnehmer veröffentlicht. Nach den Vorfällen in Kärnten wolle man nichts am Konzept ändern, sagt Gemeindeamtsleiter Georg Ranacher. „Es bleibt alles beim Alten, weil es gut funktioniert hat. Wir wollen das Brauchtum so erhalten, wie es seit jeher war.“

Vor Dummheiten sei man nie sicher, sagt Ludwig Moser, Amtsleiter der Gemeinde Reith im Alpbachtal. „Aber die Auflagen sind für alle gleich. Wir haben alles nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet.“ Der Perchtenlauf findet dort am 5. Dezember statt. Unliebsame Vorfälle habe es überall und zu jeder Zeit gegeben: „Wenn wir deshalb aber von vornherein alles kategorisch ablehnen, werden irgendwann gar keine Veranstaltungen mehr stattfinden.“

Bei der Tiroler Polizei sieht man jedenfalls keinen Grund für ein Aufstocken der Präsenz. Weitere Maßnahmen oder mehr Personal wird es nicht geben. (bfk)