Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.11.2017


Bezirk Reutte

Mittelalterliches Schwert mit rätselhafter Inschrift

In Biberwier stießen Forscher heuer auf einen besonderen Fund. Ein Ritter hatte dort wohl sein Schwert nach einem Kriegszug vergraben.

© Grabherr / Töchterle„,Benedicat‘ heißt ,segne‘“, liest Florian Messner einen Teil der Inschrift oben. Die andere Seite sei aufgrund mehrerer Abkürzungen schwieriger zu deuten, möglicherweise als ein „Im Namen des Vaters ...“.



Von Alexander Paschinger

Biberwier – In diesem Sommer spürten Archäologen bei einer Begehung in Biberwier ein Schwert auf. Erst glaubten die Altertumsforscher an einen Fund aus der Urgeschichte, der 2000 bis 2500 Jahre alt sein könnte. Nicht schlecht staunten die Experten allerdings, als bei der Restaurierung unter der Rostschicht eine in Silber eingelegte und von Kreuzen umfasste lateinische Inschrift zutage kam. Somit wurde klar: Das Schwert stammt aus dem Hochmittelalter (12./13. Jahrhundert) und scheint eine „Opfergabe“ zu sein, die „etwa anlässlich eines glücklich überstandenen Kriegszuges dargebracht wurde“, sagt die Archäologin Margarethe Kirchmayr. Die Außerfernerin hat es sich im Rahmen ihrer Dissertation zur Aufgabe gemacht, die weißen archäologischen Flecken des Bezirks zu tilgen. Ihr Projekt wird auch von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert.

Zurück zum Schwert: Der Fund präsentierte sich „relativ instabil“ und musste erst von Restauratorin Ulrike Töchterle fachgerecht aus dem Erdreich geborgen und für den Transport stabilisiert werden. „Das Schwert war an der Klinge gebrochen, wobei an der Spitze noch Reste der Scheide mit einem verstärkten Abschluss aus Metall, dem so genannten Ortband, erhalten waren“, berichtet Kirchmayr. Am Innsbrucker Institut für Archäologien stieß man dann auf die Inschriften.

Die Restauratorin Ulrike Töchterle beim Festigen des Eisenschwertes: Vorsichtig wurde es freigelegt und für den Transport stabilisiert.
- Grabherr / Töchterle

„Glücklicherweise läuft zurzeit am Innsbrucker Institut auch ein Dissertationsprojekt von Florian Messner über mittelalterliche Schwerter aus dem Raum Alt-Tirol“, so die Archäologin. Der freut­e sich über den unverhofften Zuwachs für seine Abschluss­arbeit und konnte auch gleich beantworten, warum das Schwert nicht auf den ersten Blick als mittelalterlich erkannt wurde: „Charakteristische Merkmale wie Parierstange und Knauf fehlen. Der gesamte Griff musste abmontiert worden sein, bevor das Schwert in den Boden kam.“ Übrig blieb nur noch die unbeschädigte Griffangel, die jenen von „eisenzeitlichen Schwertern zum Verwechseln ähnlich“ sei.

Der Inhalt der beiden Zeilen ist nur teilweise verständlich. So dürfte es sich auf einer Seite um „benedicat“ handeln. Möglicherweise spricht dies für eine Weihung des Schwertes an Gott, um den Träger dieser Waffe vor Unheil zu schützen, so Messner. Die Interpretation der restlichen Buchstaben steht noch aus.

Kirchmayr freut der Fund aus dem Mittelalter ebenfalls: „Ich möchte den Außerfernern ihre Vergangenheit näherbringen und sie für archäologische Hinterlassenschaften sensibilisieren.“