Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.12.2017


Exklusiv

Auf eigene Faust zum Hilfseinsatz im Irak

Ein Tiroler Arbeiter half ohne Unterstützung im Krisengebiet. Und er stellte den Kontakt für die Nutzung einer Traglufthalle her.

© HöllwarthFranz-Josef Höllwarth wollte einfach helfen. Die Lage im Irak beschreibt er als bedrückend und beklemmend.



Von Marco Witting

Innsbruck – Was kann ein einzelner Mensch tun, in einer Welt voll Not, Leid und Krieg. Viel. Der Unterländer Franz-Josef Höllwarth hat sogar sehr viel getan. Er ging auf eigene Faust in den Irak, half mit einigen Spendengeldern dort Kindern. Und stellte letztlich durch seine unglaubliche Beharrlichkeit und seinen Einsatz jenen Kontakt her, der einer Hilfsorganisation im Irak eine der Traglufthallen des Landes Tirol verschaffte. Höllwarth tat dies nicht als Mitglied einer Hilfsorganisation. Er tat dies alles nebenher zu seinem Beruf. Warum? Weil er einfach helfen wollte.

So verschlug es ihn vor etlichen Wochen in die irakische Stadt Mossul und in den kurdischen Teil des Iraks. Im Jänner will er wieder da hin. Wenn man ihn fragt, wie es denn dort sei, dann ringt der Unterländer, dem sonst nicht so schnell die Sprache zu verschlagen scheint, um Worte: „Bedrückend. Beklemmend. Im Nachhinein hat sich bei mir so eine Art Machtlosigkeit eingestellt. Es ist ein Horror, dort die Not zu sehen. In einer total zerbombten Stadt. In der kein Haus mehr steht und Schüsse fallen.“ Er habe natürlich, als in Mossul Schüsse neben ihm fielen, Angst gehabt. Aber er sei in Begleitung von erfahrenen Helfern in Krisengebieten gewesen und durch diese auch in die besonders gefährlichen Gebiete vorgedrungen. Wie er dazu kam? Durch seine Art wohl und ein Netzwerk, das sich der Arbeiter in den vergangenen Monaten aufgebaut hat. Über sein Handy, WhatsApp, soziale Netzwerke ist er mit Helfern und Organisationen verbunden und ist dadurch selbst zur Schaltzentrale für unbürokratische Hilfe geworden. Alles nebenbei wohlgemerkt.

Doch viel wichtiger als die Lage vor Ort in Mossul zu begutachten, war Höllwarth ohnehin die Hilfe – speziell für Kinder. Mit ein paar tausend Euro Spendengeldern vom Freundeskreis Flüchtlingsheim St. Gertraudi, wo für ihn gesammelt wurde, verteilte er Wasser und das dringend Nötigste. „Für die Kinder etwas machen“, das sagt der Mann, der selbst eine Tochter hat, oft im Gespräch. Und auch nach seiner Rückkehr arbeitet er wieder an neuen Hilfsprojekten. Etwa eine Traglufthalle in die Region zu schicken. Was es braucht, damit so etwas gelingt? „Viel Energie und viele Telefonate“, sagt Höllwarth, der nach eigenen Aussagen bereits im Außenministerium eingeladen war und auch bei Noch-Außenminister Sebastian Kurz schon vorstellig wurde. „Im Wahlkampf hab ich ihn mehrfach um Unterstützung durch das Ministerium gebeten.“ Man solle nur keine Scheu haben, sagt er.

Es sei die Hilfe vor Ort, unbürokratisch und auf schnellem Wege, die die Menschen brauchen, erzählt Höllwarth. Er brauche aber selbst oft auch Zeit, um das Erlebte, die Bilder zu verdauen. Und Höllwarth unterlegt seine Geschichte mit ebensolchen Bildern, die er auf seiner Reise in den Irak gemacht hat. Bilder des Schreckens. Bilder, die ihn aber nicht davon abhalten, wieder zu helfen und wieder dorthin zu fahren. Dafür gibt er seinen Urlaub her. In der Zwischenzeit hat er in Mossul so nebenbei 95 Care-Pakete für Alte und Waisenkinder organisiert und verteilen lassen.

Es werden übrigens noch weiterhin Spendengelder für Höllwarth gesammelt. Der Freundeskreis Flüchtlingsheim St. Gertraudi hat unter dem Kennwort „Mossul“ ein Konto mit der Nr. AT23 1400 0668 1012 5889 eingerichtet.

Kurz bevor er wieder an sein Handy geht, bleibt bei Höllwarth noch die Frage, ob er sich nicht vorstellen könnte, hauptberuflich für eine Organisation zu arbeiten. Er zögert und sagt, dass dies wohl nur dann möglich für ihn wäre, wenn es eine sehr kleine Organisation sei. Es gebe Beispiele wo er sich das vorstellen könne. Wo minimales Personal für maximale Hilfe stehe. Bis dahin beweist Höllwarth aber auch, dass ein Einzelner sehr viel tun und leisten kann.