Letztes Update am So, 24.12.2017 15:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sechsfachjackpot

“Nur nicht den Schein verlieren“: Der Weg zum Lotto-Millionär

Elf Millionen Euro warten am Sonntag im historischen Sechsfachjackpot der Österreichischen Lotterien. Was aber, wenn man wirklich die richtige Zahlenkombination angekreuzt hat?

© LotterienSymbolfoto.



Von Jasmine Hrdina

Innsbruck — Kreuzchen machen — das haben die Österreicher in den vergangenen Monaten oft genug geübt. Am Sonntag geht es aber nicht darum, mit dem "richtigen Kreuz" die politische Zukunft des Landes mitzubestimmen, sondern um eine millionenschwere Premiere bei den Österreichischen Lotterien: Erstmals gibt es am Sonntag einen Sechsfach-Jackpot zu knacken. Die Charge an Geschenken unter dem Weihnachtsbaum könnte sich für einen glücklichen Gewinner um rund elf Millionen Euro erweitern. Bei den Österreichischen Lotterien rechnet man daher mit einem hohen Andrang: 12,6 Millionen Tipps sollen es bis Annahmeschluss (Sonntag, 18 Uhr) werden — allein eine Million davon dürften aus Tirol kommen. Für Zahlenfans: Damit werden voraussichtlich 80 Prozent — also vier Fünftel — der 8,1 Millionen (8.145.060) möglichen Tippvarianten gespielt. Die Stille am Heiligen Abend könnte also durchaus ein Neo-Millionär mit einem Jubelschrei durchbrechen.

Man kann sich die Wahrscheinlichkeit...

...im Lotto zu gewinnen, auch in etwa so vorstellen: Um mit Sicherheit einen Gewinner zu haben, müsste jeder Österreicher eine exklusive Zahlenkombination abgeben. Ob der Glückliche mit dem Rest der Nation auch teilt, ist allerdings keine Frage der Mathematik.

Plötzlich Millionär... und dann?

Was aber, wenn man wirklich den Jackpot knackt? Ein Freudentanz um den Christbaum, das Kündigungsschreiben aufsetzen oder sofort First Class auf die Malediven? Erst mal ruhig bleiben, denn "so schnell geht das ohnehin nicht", wirft Günter Engelhart, Pressesprecher der Österreichischen Lotterien, ein.

Den beschwerlichen Weg zum Millionär müsse man keinesfalls alleine gehen: Im Falle stellt der Gewinnspielveranstalter einen so genannten "Großgewinnberater" zur Verfügung. Die Beratung sei eine sehr individuelle Angelegenheit und hänge ganz von den jeweiligen Lebensumständen ab. Treffen könne man den Experten an einem Ort nach Wahl. "Wohnt man etwa in einem kleinen Dorf, wäre es schon auffällig, wenn plötzlich ein fremder Wagen beim Nachbarn vorfährt. Das würde sich rasch herumsprechen. Manche Gewinner treffen den Berater daher lieber an einem neutralen Ort außerhalb der Gemeinde. Alles anonym und diskret," versichert der Lotteriensprecher.

Der wachsende Freundeskreis

"Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt", soll Albert Schweitzer gesagt haben. Auf emotionaler Ebene mag dies stimmen, auf materieller ist dieser Rat mit Vorsicht zu genießen. Dass sich nach einem Millionengewinn der Freundeskreis auf wundersame Weise vergrößert, sei keine Seltenheit, berichtet auch Engelhart. Man solle sich also gut überlegen, wem man sich anvertraut: "Mit jedem, der es weiß, steigt die Gefahr, dass es jemand erfährt, der es eigentlich nicht wissen soll." Bettelbriefe und Belästigungen à la "Es sind doch nur ein paar hundert Euro, die tun dir nicht weh", seien keine Seltenheit. "Dann hat man mit dem Gewinn auch keine Freude mehr", so Engelhart.

Der Moment der Wahrheit

Wer etwa seinen Schein auf klassischem Wege in der Trafik überprüfen lässt, wird nicht vor allen anderen wartenden Kunden als Neo-Millionär entlarvt. Denn Gewinne über 1000 Euro werden auch dem Trafikanten nur als "Hochgewinn" am Display angezeigt, berichtet Engelhart. In diesem Fall wird der Gewinner an den Kundenservice der Österreichischen Lotterien verwiesen. Die Mitarbeiter dort würden sich dann nach einer speziellen Zahlenkombination am Gewinnschein erkundigen, um sicherzugehen, dass der Anrufer auch wirklich den millionenschweren Schein in Händen hält. "Freilich kann man mit der Quittungsnummer jederzeit online über win2day.com einsehen, ob man gewonnen hat", ergänzt der Lotteriensprecher.

In jedem Fall gilt aber: "Ab diesem Zeitpunkt sollte man den Schein nicht mehr aus der Hand geben." Nur wer in Besitz des originalen Papier-Scheins ist, erhält das Geld. Ein Foto des Lottoscheins am Smartphone sei zwar "eine gute Idee", rechtlich bestehe dabei aber kein Anspruch auf eine Gewinnauszahlung. Den Schein per Postweg an die Lotterien zu schicken, davon rät der Experte jedenfalls dringend ab.

Statistik oder Aberglaube?

Laut einer Online-Umfrage des Instituts Market haben 36 Prozent der Tiroler eine Glückszahl.

Statistisch gesehen wurde in den letzten 100 Ziehungen die 32 und die 27 am häufigsten gezogen - nämlich je 18 Mal. 17 mal wurden die 44, 37, 33 und 30 vom Schicksal oder den physikalischen Grundgesetzen auserkoren. Immerhin je 16 mal wurden die 39, 34, 24, 19 und 7 aus dem Bällebad gesaugt. Etwas Scheu vor einem Soloauftritt schienen hingegen die statistischen Schlusslichter 9, 15 und 38 mit je neun Ziehungen gehabt zu haben.

Bevor sich das Geld überhaupt irgendwohin bewegt, gilt es, eine vierwöchige Reklamationsfrist abzuwarten.

"Zeit, um nachzudenken, ob man wirklich alles an den Nagel hängen oder den einen oder anderen Wunsch nicht doch noch einmal überdenken will", so Engelhart.

Die meisten Gewinner würden erstmal ihre Wohnsituation verbessern. Viele kaufen sich eine neue Immobilie oder renovieren ihr bestehendes Heim. Auch noch offene Schulden zu begleichen sei ein gängiger Schritt. Erst dann folgen andere materielle Güter und Träume: "Luxusreisen und Autos - die Klassiker eben."

Wege zum Geld

406 Jahre lang müsste man mit einem für Österreich durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn von 1932,21 Euro arbeiten, um elf Millionen Euro zu erwirtschaften (gerechnet mit 14 Gehältern, ohne Inflation).

Elf Millionen, eine Summe, mit der man sein Leben durchaus umkremplen, sich theoretisch auf die Faule Haut legen kann - Engelhart: "Die Frage ist, ob man das überhaupt will."

Denn für viele reiche es aus, sich sein Leben einfach etwas einfacher zu gestalten. Etwa seine Wochenstunden zu reduzieren, sich ein schöneres Heim zu gönnen oder etwas früher in Pension zu gehen. Ob es allerdings ein glücklicheres Leben sein würde, bleibt freilich offen, gesteht auch der Lotterien-Sprecher. "Wenn man andere Sorgen hat, kann das Geld natürlich nicht helfen."

- APA