Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 31.12.2017


Innsbruck

Solidarität bis zum Schluss: Der letzte Tag der SoWi-Apotheke

Rund 7000 Unterschriften wurden für ihren Erhalt gesammelt, letztlich half alles nichts: Die SoWi-Apotheke musste gestern schließen. Viele kamen auf ein letztes „Auf Wiedersehen“.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Sekt, Brötchen und Süßigkeiten: In der SoWi-Apotheke in Innsbruck wurde am letzten Tag vor Silvester vielleicht auch auf ein gutes oder besseres neues Jahr angestoßen. Es war aber auch der letzte Tag der Apotheke selbst, die gestern, wie ausführlich berichtet, nach einem jahre­langen Konkurrenzstreit schließen musste. Nach 18 Jahren – die Luftballons zum Jubiläum waren noch nicht weggeräumt. Und so war es auch ein Abschiedsumtrunk und damit ein Grund, Danke zu sagen für die in diesem Ausmaß nie erwartete Unterstützung.

„Das hätte ich nie für möglich gehalten“, sagt Inhaberin Elisabeth Wieser. Viele Briefe und E-Mails wurden geschrieben, mehr als 7000 Unterschriften gesammelt – leider ohne Erfolg. Nach der letztinstanzlichen Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs war das Aus endgültig. Eine Welle der Empörung war die Folge.

Viele ließen es sich deshalb nicht nehmen, eine letzte Schachtel Tabletten zu kaufen, die sie in diesem Moment vielleicht gar nicht brauchen konnten – um sich zu verabschieden, so wie es sich gehört, vor allem aber, um noch einmal ihre Solidarität zu bekunden. „Für uns ist das ein ganz herber Verlust“, sagt Konstantin Frischmann. Er wollte „einfach noch einmal auf Wiedersehen sagen und alles Gute“. Wie alle hier kann er den Grund für die Schließung der Apotheke nicht nachvollziehen. Das entscheidende Gutachten sei schon vor Jahren erstellt worden, „man müsste evaluieren und dabei auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Rücksicht nehmen“.

Hertha Stauder, eine weitere Stammkundin, bedankt sich für die freundliche Bedienung und ausführliche Beratung, und Joseph Köck, ein älterer Herr im Rollstuhl, meint: „Es ist unverständlich, dass diese Apotheke nach 18 Jahren schließen muss. Es können doch alle leben“, spricht er den Gebietsschutz für Apotheken an. „Man kann sich doch nicht an uralten Gesetzen orientieren!“ Er sei jedenfalls „sehr traurig“.

„Ich verliere meine Heimat“, sagt Ruth Brandstätter. Sie hat 14 Jahre in der SoWi-Apotheke gearbeitet und kritisiert, dass es nie um eine Lösung, mit der alle leben können, gegangen sei. Sie wird gemeinsam mit Elisabeth Wieser und zwei weiteren Mitarbeiterinnen in die Rumer Spitzapotheke wechseln.

Eine Kundin dreht sich beim Hinausgehen noch einmal um: „Ich werde das nie begreifen.“

Viele Stammkunden waren zum Abschied gekommen, jetzt bleibt die Tür zu.
- Foto Rudy De Moor