Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.01.2018


Gesellschaft

Ausnahmezustand in den Innsbrucker Skigebieten

Chaos am Parkplatz und Handgreiflichkeiten: In den Ferien herrschte Massenandrang in den Skigebieten um Innsbruck. Shuttlebusse dienten als Lenkungsmaßnahme.

Auch heuer werden die Preise die Skifahrer vermutlich von ihrem Wintervergnügen nicht abhalten.

© Thomas Boehm / TTAuch heuer werden die Preise die Skifahrer vermutlich von ihrem Wintervergnügen nicht abhalten.



Von S. Strobl u. K. Siller

Innsbruck, Oberperfuss, Mutters – 4500 bis 5000 Gäste stürmten in den Ferientagen die Innsbrucker Seegrube. So auch am Freitag vor Silvester: Gute zwei Stunden benötigten Skifahrer wie Touristen, um vom Congress hinaufzugelangen. Im chaotischen Haufen bei der Hafelekargondel steigen sich Skifahrer und leichter beschuhte Touristen auf die Füße. Ein Brite meint, dass er sich wie eine Sardine fühle und die Griechen einen Massenansturm besser organisieren würden. Vorn kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen einem heimischen Skifahrer und einem Urlauber. Oben angelangt, ist dann alles wieder gut. Schnee und Aussicht sind traumhaft. „Der Wechsel von Schlecht- und Schönwettertagen brachte immer einen Schub von Besuchern“, sagt Thomas Schroll, Geschäftsführer der Nordkettenbahnen. In den letzten acht Jahren erhöhte sich die Besucherzahl um 60 Prozent. 40 Prozent der Gäste sind Einheimische. Viele meiden den kleinen Parkplatz auf der Hungerburg.

Schroll spricht von „maximal zehn Tagen im Ausnahmezustand“. Dass die Tiroler gegenüber Besuchermagneten nicht immer positiv eingestellt sind, weiß er. Um den Andrang an neuralgischen Tagen besser zu verteilen, sind günstigere Tickets für Touristen ab 15 Uhr angedacht.

Zusammenrücken heißt es auch in der Mittelstation am Patscherkofel. Sessellift ade. So oft habe er die Ski in seinem Leben noch nie aus- und wieder angezogen, amüsiert sich ein Innsbrucker Pensionist, als er nach einer kurzen Abfahrt zusteigt. Die Kinder in der Kabine taufen dafür die Bergstation in Sternenzerstörer um. Der Start der Patscherkofelbahn war von Vandalenakt, Gondelentgleisung und Sturm begleitet, drei Schließtage waren die Folge. Erst vor Silvester konnte die Talabfahrt geöffnet werden. Die Neugierde ist also groß. So beförderte die Bahn vom Start vor Weihnachten bis zum 2. Jänner 12.532 Fahrgäste, berichtet der kaufmännische Leiter Adrian Egger. Die beiden stärksten Tage waren der 29. und 30. Dezember. Da war kein Parkplatz mehr zu finden. „Zuerst haben wir die Skifahrer zur Bobbahn umgeleitet, dann zur alten Talstation in Igls und einen Shuttledienst eingerichtet“, informiert Egger.

Ein Shuttlebus transportierte am vergangenen Sonntag am Rangger Köpfl Wintersportler vom 200 Meter entfernten Tourengeherparkplatz zur Talstation. Von einem „außergewöhnlich heftigen“ Tag spricht Hubert Deutschmann, Geschäftsführer der Bergbahnen Oberperfuss. „Der Silvestertag war der stärkste Tag in den sieben Jahren meiner Arbeit bei den Bergbahnen.“ Die Frequenzsteigerung sei über den Erwartungen gelegen, dementsprechend war auch der Hauptparkplatz (400 Stellplätze) zwischen elf und zwölf vollkommen überlastet. Autos durften nur noch von Osten einfahren. Nicht allen Gästen war klar, dass der Tourengeherparkplatz allen Liftbenützern gratis zur Verfügung steht. Deshalb fuhren etliche wieder ins Ortszentrum, parkten bei einem Lebensmittelgeschäft und marschierten zur Talstation. Beschwerden habe Deutschmann keine gehört, auch nicht, als die Talabfahrt der Rodelbahn wegen Präparierung einige Stunden gesperrt blieb. Die Rodler mussten mit der Gondel ins Tal fahren.

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Auf der Mutterer Alm schließlich geriet die Parkplatzsuche zum Spießrutenlauf. Wie Geschäftsführer Werner Millinger berichtet, war nicht nur ein sechsköpfiges Parkplatzteam im Einsatz, sondern auch die Polizei. Zahlreiche Autos mussten abgeschleppt werden. Es wurde versucht, die Autofahrer auf den größeren Parkplatz nach Götzens umzuleiten. Was Millinger ärgert, waren die Diskussionen am heuer eindeutig ausgewiesenen Familienparkplatz, den schnellere Tourengeher belegten. „Es gibt zehn bis 15 Tage im Jahr, wo alles zu klein ist“, so Millinger. Am 27. Dezember verzeichnete die Muttereralmbahn übrigens mit 4682 Gästen und 18.000 Fahrten den stärksten Wintertag überhaupt.