Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.01.2018


Ombudsmann

Schwierige Umstellung: “Smart Meter“ beschäftigen Mieter

Zu smart: Vor dem Wechsel von den alten Stromzählern zu neuen, intelligenten Messgeräten fordern Konsumenten mehr Informationen ein. Smart Meter auf dem Prüfstand.

© iStockphotoMit dem Ausbau der alten Stromzähler wird auch der Techniker nicht mehr benötigt.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Seit Jahren wird darüber gesprochen, gemutmaßt, über mögliche Folgen nachgedacht: Der Austausch der alten Stromzähler gegen so genannte intelligente Smart Meter beschäftigt Mieter und Wohnungseigentümer, auch wenn die Durchführung letztlich immer wieder verschoben wird. Neben der Sorge wegen höherer Strompreise haben Konsumenten vor allem die Befürchtung, andere könnten einen genauen Einblick in ihren Tagesablauf bekommen – wann sie schlafen gehen, aufstehen oder auch wie lange sie abends fernsehen.

Laut Datenschützern durchaus zu Recht, denn die digitalen Zählgeräte zeichnen den Energieverbrauch eines Haushalts im 15-Minuten-Takt auf und spiegeln damit das Privatleben innerhalb der eigenen vier Wände wider. Die Werte werden täglich über Datenleitungen oder Funksignale an den Netzbetreiber weitergeleitet. „Diese Systeme ermöglichen Hackern, ein ganzes Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen“, sagt Georg Markus Kainz, Leiter von „quintessenz“, „Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter“. Er halte nichts von Schwarzmalerei über Blackouts, „aber wir erschaffen gerade die Möglichkeit dafür“.

Eine weitere Sorge betrifft die Möglichkeit, den Strom von der Ferne ein- und ausschalten zu können. Kainz: „Wir leben in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, Menschen persönlich anzusprechen. Anstatt sich an den Techniker wenden zu können, der ins Haus kommt, ist man einem anonymen System ausgesetzt.“ Für Fragen stünden nur Hotlines zur Verfügung.

Ein weiteres Szenario ist ein Strompreis, der sich wie beim Benzin nach dem Verbrauch richtet. Je höher, desto teurer – zum Beispiel in der Früh, mittags und abends, während er untertags und nachts, wenn die Bewohner außer Haus sind oder schlafen, günstiger wird.

Der Tiroler Netzbetreiber Tinetz, der zur Tiwag gehört, bereitet sich unterdessen auf Durchführung des „Rollouts“ vor, wie der mehrstufige Wechsel genannt wird. Dazu gehören zwei Pilotversuche, die Erkenntnisse sollen in die Optimierung der Systeme und Prozesse einfließen. Erst nach positivem Abschluss der zweiten, umfangreicheren Phase soll die Umstellung beginnen, dabei geht es um rund 235.000 Messgeräte.

Nicht auf alle Fragen gibt es derzeit auch befriedigende Antworten, aber wir haben Fachleute mit einigen der häufigsten konfrontiert.

Umstellung auf Smart Meter: die Antworten auf die häufigsten Fragen

Konsumentenfragen: Bei der Arbeiterkammer (AK) langen immer wieder Anfragen zum Smart Meter ein, von einer Verunsicherung könne man aber laut Florian Salzburger von der Wirtschaftspolitischen Abteilung nicht sprechen. Meistens geht es um das „Opt-out“, die Ablehnung des intelligenten Messgeräts, um Einspruchsmöglichkeiten und ob die Umstellung gesetzlich verpflichtend sei. Viele erkundigen sich nach den Vor- und Nachteilen.

Welche Möglichkeiten hat der Stromkunde? Laut AK hatten viele die Befürchtung, dass sich nicht jeder für ein „Opt-out“ aussprechen werde können. Durch die heftig eingeforderte Novelle der Intelligente Messgeräte Einführungsverordnung 2017 (IME-VO) wurde schließlich festgelegt, dass ein Rechtsanspruch darauf besteht.

Wie kann man sich abmelden? Laut dem Tiroler Netzbetreiber Tinetz werden betroffene Kunden rund vier Wochen vor dem geplanten Einbaumonat schriftlich über den Tausch informiert. Danach besteht die Möglichkeit, sich mündlich oder schriftlich gegen eine Messung durch einen intelligenten Zähler auszusprechen. In diesem Fall wird ein digitaler Standardzähler mit jährlicher Verbrauchsübertragung eingebaut.

Ist es möglich, das alte Gerät zu behalten? Es ist nicht möglich, sich grundsätzlich gegen den Einbau der neuen digitalen Stromzähler auszusprechen, nur gegen die Funktionen des Smart Meters, also die Speicherung der 15-Minuten-Werte und deren Übertragung.

Warum wird der Einbau immer wieder verschoben? Interne Tests ergaben laut Tinetz, dass die bisher angebotenen Messgeräte „aus Gründen der Sicherheit und Austauschbarkeit“ nicht den Anforderungen entsprechen. Es werde aber sehr viel Wert auf die Anschaffung eines Messsystems gelegt, das den aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht. Die Geräte müssen außerdem leistungsfähig sein, damit Updates möglich sind.

Was sind die Vorteile? Das Smart Meter soll primär dabei helfen, Strom zu sparen. Der Energieverbrauch ist transparent bis zu 36 Monate zurück online und 60 Tage direkt am Zähler verfügbar.