Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.01.2018


Bezirk Kitzbühel

Obermanharthof wurde nun unter Schutz gestellt

Das Denkmalamt hält den Obermanharthof in Westendorf für schützenswert. Der Eigentümer will den Entscheid bekämpfen.

© Harald AngererDer alte Obermanharthof in Westendorf sollte einem Neubau weichen. Doch nun hat das Denkmalamt den Hof unter Schutz gestellt, der Eigentümer will sich dagegen wehren.



Von Harald Angerer

Westendorf – Für die einen ist es ein alter, nicht mehr bewirtschafteter Bauernhof und für die anderen ein schützenswürdiges Bauwerk, welches dem Ort ein Gesicht gibt. Der Obermanharthof in Westendorf spaltet die Geister. Denn auf der Fläche des alten Hofes hätten zwei neue Gebäude entstehen sollen, doch vorerst wird daraus nichts. Das Bundesdenkmalamt hat den Hof nun unter Schutz gestellt.

„Wenn das so bleibt, ist das für uns eine Katastrophe“, sagt Jakob Hirzinger. Eigentümer des alten Hofes ist sein Vater, doch Jakob Hirzinger vertritt ihn in der Sache nach außen. „Wir werden weitere rechtliche Schritte einleiten“, kündigt er gegenüber der TT an. Für ihn sei die Unterschutzstellung nicht nachvollziehbar. „Der Obermanharthof ist nie auf einer Liste für schützenswerte Gebäude gestanden und andere Gebäude schon, die wurden aber abgerissen“, sagt Hirzinger.

Bereits im März 2017 hatte sich der Gemeinderat mehrheitlich gegen die Unterschutzstellung des Hofes ausgesprochen. Für den Denkmalschutz ist hingegen Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (Wir). Sie sieht in dem Obermanharthof einen wichtigen Teil des Ortskerns und setzt sich sehr für einen Erhalt ein. „Es gibt viele Möglichkeiten, was man aus so einem alten Gebäude machen kann, da gibt es auch genügend Beispiele“, sagt Plieseis. Sie will nun noch einmal das Gespräch mit den Eigentümern suchen. „Ich will auch, dass der Besitzer zu dem kommt, was er will“, sagt Plieseis.

Gespräche habe es bereits gegeben. Doch Hirzinger glaubt, Plieseis habe als Nachbarin ein Eigeninteresse daran, dass der Hof erhalten bleibt. Das will Plieseis nicht gelten lassen. „Der Hof ist erhaltenswert, das sieht ja auch das Denkmalamt so“, erklärt die Bürgermeisterin.

Anders sieht es Vizebürgermeister Peter Pirchl (Aufwind): „Der Gemeinderat hat sich inzwischen zweimal gegen die Unterschutzstellung ausgesprochen. Es ist für mich verwunderlich, dass wir als Gemeinde hier so wenig Gehör bekommen.“ Er befürchtet, dass die Sache noch lange dauern wird und letztendlich eine Ruine im Dorf stehen bleibt. „Es ist unverständlich, dass so gegen die Interessen des Eigentümers und der Gemeinde entschieden wird“, ärgert sich Pirchl. Auch er sei für den Erhalt alter Bauernhöfe, „ich lebe ja selber in einem“, sagt Pirchl. Er hätte sich aber eine gemeinschaftliche Lösung gewünscht. „Das geht in anderen Gemeinden ja auch“, weiß Pirchl. Nun überlegen die Gemeinderäte, die im März 2017 gegen den Denkmalschutz gestimmt haben, noch einmal eine Stellungnahme abzugeben. „Hier müssen wir aber erst Gespräche führen“, kündigt der Vizebürgermeister an.